TEST // Magnificent Flying Machines

TEST // Magnificent Flying Machines

Eines gleich vorweg: optisch ist „Magnificent Flying Machines“ eine Wucht und hat mich gleich von Beginn an begeistert. Der an franko-belgische Comics erinnernde Cartoon-Stil hat mich gepackt und auch die Grundidee, ein Flugzeugrennen, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, als Brettspiel umsetzen, hatte mich am Haken. Ein wenig Ernüchterung kam dann aber auf, als ich mich zum ersten Mal mit der Anleitung beschäftigte. Was auf den ersten Blick sehr strukturiert wirkte und mit dem „Aufbau für einen Schnellstart“ auch die Hoffnung aufkommen ließ, relativ leicht und ohne großes Studium loslegen zu können, stellte sich bald als recht ungeordnet heraus. Immer wieder habe ich in der Anleitung geblättert, um einzelne Punkte zu verstehen. Ein Schnellstart war dies ganz sicher nicht und letzten Endes musste ich mehrfach hin- und herspringen, um zumindest so viel verstanden zu haben, dass ich losspielen konnte und wusste, worum es ging.

Nachdem ich mich eingearbeitet hatte und das große Rennen losging, merkte ich schon recht bald, dass das Würfeln hier klar im Vordergrund steht. Die Karten und Plättchen bieten zwar eine kleine Einflussnahme, aber letzten Endes läuft es grundsätzlich nur auf den Wurf hinaus, den man hinlegt. Der sehr hohe Glücksfaktor kann sehr schnell zu einem sehr großen Frustgefühl führen. Der Autor scheint dies auch gemerkt und daher noch den Glücksmarker eingeführt zu haben, den Spieler u.a. dann erhalten, wenn die Aktionen in ihrem Zug zu nichts führen. Mit dem Glücksmarker gibt es in einer späteren Runde die Möglichkeit, eine misslungene Probe zu bestehen.

Vorsicht beim Spielen ist auch mit den konfrontativen Mechaniken geboten. Diese können den Frustfaktor zusätzlich fördern. Wenn dem Würfelpech auch noch Kartenpech folgt und die am Ende einer Runde gezogene Karte nicht wirklich weiterhilft, während der Gegenüber eine Trickkarte nach der anderen zieht, ist das Spielvergnügen schnell zu Ende. Bei uns flogen die Karten daher ziemlich schnell raus und nur wer gezielt einen gehässigen Ansatz beim Spielen haben möchte, sollte die „Dreckige Variante“ spielen. Das Problem bei der „sauberen“ Variante ist dann allerdings, dass die Interaktion fast gegen Null sinkt und jeder im Grunde seinen Flieger still vor sich hinfliegt.

Auch bei der generellen Mechanik will sich kein allzu großer Spielspaß einstellen. Die Aktionsmöglichkeiten sind viel zu begrenzt. Die einzige Frage ist, was man nun an welcher Stelle aufsammelt, um es dann an welcher anderen Stelle wieder abzuladen. Das fühlt sich schnell mechanisch an und erinnert an stupide Würfelarbeit am Fließband. Als Spieldauer wird auf der Box 75-120 Minuten angegeben und 1-2 Stunden Spielzeit kommen auch durchaus hin. Für so viel Lebenszeit gibt es dann aber eindeutig viel zu wenig Handlungsmöglichkeiten. Schade, denn die Aufmachung hätte es mehr als verdient, öfter auf den Tisch zu kommen. Bei dem gegebenen Spielspaß waren die Chancen, um 1910 herum einen Transatlantikflug zu überstehen, aber deutlich größer, als dass „Magnificent Flying Machines“ aktuell nochmal bei mir auf den Tisch kommt.

Test // Magnificent Flying Machines – Werde zum tollkühnen Piloten in deiner gespielten Kiste!

Bilder vom Spielmaterial

Tags: 2-6 Spieler, Fliegen, Aufnehmen und Ausliefern, Press Your Luck

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