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TEST // Der Herr der Träume

TEST // Der Herr der Träume

Eines gleich vorweg, wer auf epische Abenteuer aus ist und taktische Kämpfe erwartet, hat bis hierhin leider vergeblich gelesen. Die taktische Tiefe von „Der Herr der Träume“ ist relativ flach. Die Kämpfe benötigen nicht allzu viel strategisches Geschick und die Rätsel sind weitgehend harmlos. Allzu viel Freiheiten beim Lösen der Aufgaben gibt es nicht, in der Regel stehen 1-2 Möglichkeiten zum Weiterkommen zur Verfügung. Das Herangehen an die Kämpfe beschränkt sich darauf abzuschätzen, ob man aus der Kombination Würfel + Waffenbonus eine reelle Chance hat, den Rüstungswert des Gegners zu erreichen. Vielleicht noch durch den Einsatz einer Spezialfähigkeit. Das war es dann aber auch. Der Rest des Spiels setzt sich weitgehend aus dem Aufdecken von interessanten Stellen, Zufallsmomenten mit vergessenen Stofftieren und dem Lösen von Gruppenaufgaben durch das Sammeln von Würfeln zusammen. Für reifere Semester wird das spielerisch sicherlich nicht erfüllend sein.

 

Aber das Spiel richtet sich in erster Linie auch nur an die Erwachsenen, die das Spiel zusammen mit ihren Kindern spielen, um mit ihnen Abenteuer voller Fantasie zu erleben, in einer Welt, die der Fantasie der Kleinen sicherlich nicht ganz fremd ist. Durch die sehr fantasievoll erzählten und wunderbar illustrierten Geschichten kann man sich durchaus in der Welt verlieren und trotz fehlender Tiefe auch als Erwachsener seine Freude an dem Spiel haben. Wer sich nicht zu alt fühlt, um Disney- oder Pixar-Filme wie „Toy Story“ oder „Peter Pan“ anzuschauen, dabei nicht gelangweilt abschaltet, sondern Spaß dabei empfindet, in diese Welten einzutauchen, für den wird auch „Der Herr der Träume“ sicherlich seinen Reiz entfalten können.

 

Ein paar kleinere Kritikpunkte gibt es dann allerdings doch. So ist die Spielzeit für ein Abenteuer mit rund 2-3 Stunden relativ lang. Prinzipiell wäre eine Unterbrechung zwischen den Kapiteln möglich, doch wäre das Weiterspielen ab diesem Punkt an einem anderen Tag, wie einen Film in mehreren Teilen anzuschauen. Wie bei einem Film, würde dies die Wirkung der Geschichte deutlich schmälern, da vieles an Emotionen und Erzählfluss verloren gehen würde. Je nach Zusammenstellung der Spieler kann es zudem auch sein, dass manch einer zu längerem Überlegen neigt. Wie etwa, wenn eine beliebige Karte mit einem speziellen Stichwort aus dem Ausrüstungsstapel genommen werden darf. Außerdem fand ich es auch ein wenig ungeschickt, dass sämtliche Stationen eines Kapitels direkt auf der Seite zu sehen waren und selbst, wenn man versucht, nicht zu spicken, liest man doch immer mal wieder Teile, aus denen man erfährt, wie es später weitergeht.

 

Es ist auch nicht unbedingt eine gute Idee, wie in den Regeln vorgegeben, dass jeder der Reihe nach vorliest, da besonders bei noch ungeübten Lesern die Geschichte dadurch deutlich an Reiz verliert. Ich kann von daher nur empfehlen, dass der beste Leser, der die unterschiedlichen Charaktere am ehesten mit Leben füllen kann, diese Rolle beibehält. Spieltechnisch macht dies kaum einen Unterschied, der Stimmung der Geschichte bringt es dafür große Vorteile. Und letzten Endes ist „Der Herr der Träume“ vor allem eine große, fantasievoll erzählte Geschichte, die junge Familienmitglieder komplett faszinieren dürfte, aber auch so manchen Erwachsenen zumindest kurzweilige unterhält, nicht zu Letzt auf Grund der liebenswerten Charaktere und der fantasievollen Geschichten.

 

Wer mit dem Familienambiente des Spiels nichts anfangen kann, das Konzept mit dem Abenteuerbuch aber sehr spannend findet, kann sich freuen. Für das 3. Quartal hat Asmodee angekündigt, mit „Komanauten“ auch die erwachsene Variante des Spielprinzips in deutscher Lokalisierung in den Handel zu bringen. Ob es an die erzählerische Klasse von „Der Herr der Träume“ anknüpfen kann und dazu noch spielerische Tiefe mit in die Waage wirft, werdet ihr höchstwahrscheinlich dann auch an dieser Stelle nachlesen können!

 

 

 

 

Bilder zum Spiel

 

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