TEST // Escape Tales: The Awakening

TEST // Escape Tales: The Awakening

Verfasst von Michael Tomiak am .

Nachdem Samuels Ehefrau Jennifer vor 5 Jahren viel zu früh gestorben ist, droht nun auch noch seine Tochter Lizzy ihrer Mutter zu folgen. Welcher Vater würde nicht alles unternehmen, um dies zu verhindern? Kein Rätsel ist zu schwer, um es nicht knacken zu können, kein Ritual erscheint zu gefährlich, um es nicht durchzuführen. Die SpielerInnen schlüpfen in „Escape Tales: The Awakening“ in die Rolle des leidgeprüften Vaters und es stehen knifflige 3-5 Stunden Spiel vor ihnen, in denen sie auf dem Weg zur Vollendung eines Rituals einige Kopfnüsse zu knacken haben.

KOSMOS war so freundlich uns ein Exemplar von „Escape Tales: The Awakening“ für einen Test zur Verfügung zu stellen. Auf die Bewertung hatte dies wie gewohnt keinerlei Einfluss!

Ein kompletter Escape Room mit mehreren Räumen auf dem Tisch

Bei „Escape Tales: The Awakening“ ist es das Ziel der Gruppe, ein Ritual zum Erwecken der in ein Koma gefallenen Tochter Lizzy durchzuführen. Dazu müssen verschiedene virtuelle Räume durchschritten werden, die jeweils voller Rätsel stecken. Beim ersten Aufbau wird der Keller ausgelegt, über den die Gruppe das Spielprinzip gut erlenen kann. Zunächst gibt es einen längeren Einführungstext, der die Vorgeschichte erzählt. Anschließend werden die beiden Ortskarten aus dem Stapel genommen und, wie auf der Entdeckungskarte angezeigt, ausgelegt. Auf der Entdeckungskarte wird ein Raster mit Koordinaten angezeigt, das jeweils angibt, welcher Punkt im Storybuch gelesen werden muss, wenn mit dem Feld interagiert wird. Um dies tun zu dürfen wird zunächst eine verfügbare Aktionsscheibe auf das Feld gelegt. Ist im Verlauf des Spiels einmal keine Aktionsscheibe mehr verfügbar, können diese über Verzweiflungskarten erhalten werden. In der Regel hat dies aber immer seinen Preis.

Der zu lesende Abschnitt im Storybuch erzählt immer ein Stück Geschichte und hält am Ende meist Nummern für Entdeckungskarten bereit, die aus dem Stapel gezogen werden müssen. Dabei kann es sich um Rätselkarten handeln, die in der unteren rechten Ecke ein Symbol zeigen, das auch in der App angezeigt wird. Nach einem Klick auf das Symbol in der App wird eine Seite angezeigt, bei der die Lösung eingegeben werden kann. Zusätzlich gibt es in der App auch die Möglichkeit nachzuschauen, wie viele Rätselkarten insgesamt benötigt werden, um das Rätsel lösen zu können. Wer gar nicht weiß, wie das Rätsel zu lösen ist, kann sich zusätzlich Hilfestellungen geben lassen oder, wenn es gar nicht mit dem Lösen des Rätsels klappen will, auch direkt die Lösung.

Neben Rätselkarten gibt es noch Gegenstandskarten. Diese haben ein Symbol in der unteren linken Ecke. Diese Symbole finden sich in der Regel auf Bedingungskarten wieder, die ein oder mehrere Symbole anzeigen und für den Fall, dass die angezeigten Bedingungen erfüllt sind, das Lesen eines weiteren Punktes im Storybuch vorgeben. Als letzten Kartentyp gibt es noch die Plankarten, die den Aufbau des aktuellen Raumes sowie die passenden Punkte für diesen Ort anzeigen.

Bei den Rätseln ist es in der Regel erforderlich, Muster zu erkennen und darüber das Ergebnis herzuleiten. Dies ist meist eine Kombination aus Zahlen, teilweise kommen aber auch mal Worträtsel zum Einsatz. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei unterschiedlich. Wenn die Lösung zu einem Rätsel partout nicht einfallen möchte, stellt es keine Schande dar, sich die Lösung von der App anzeigen zu lassen. Dies hat keinerlei negativer Konsequenzen für den Spielverlauf oder den Ausgang des Spiels.

Um einen Raum verlassen und in den nächsten Raum gehen zu können, ist es erforderlich, ein bestimmtes Rätsel zu lösen, durch das eine Karte für den Übergang gezogen werden kann. Wer möchte kann aber zuvor noch weitere Felder im Raum untersuchen. Wichtig ist, das Gesamtziel im Hinterkopf zu haben und die Besonderheiten für die Durchführung des Rituals nicht zu vergessen. Wer das Spiel nicht am Stück durchspielen möchte, hat auch stets die Möglichkeit, den aktuellen „Spielstand zu speichern“. Wie das geht, wird in der Anleitung erklärt.

Die passenden Zutaten für ein erfolgreiches Ritual?

Das Spielmaterial besteht in erster Linie aus einem kleinen Stapel großformatiger Raumkarten und einem großen Stapel mit Entdeckungs- und Verzweiflungskarten, die beide aus strapazierfähigem Material gefertigt wurden. Der Spielplan wurde aus festem Karton gefertigt. Zudem gibt es noch Aktionsscheiben aus Holz und ein Storybuch, in dem die unterschiedlichen Punkte der Geschichte aufgeführt werden.

Die Spielmechanik ist relativ leicht zu verstehen und die sehr gut geschriebene Anleitung vermittelt das notwendige Wissen übersichtlich und klar gegliedert. Die App ist ebenfalls leicht zugänglich und selbsterklärend. Sie funktioniert auch ohne Internetverbindung, wenn sie einmal auf das Mobilgerät geladen wurde.


Mit den „Escape Tales“ hat KOSMOS einen weiteren Vertreter der beliebten Escape-Room-Spiele für zu Hause ins Programm genommen. Was das Spiel im Vergleich zu der ebenfalls bei KOSMOS erscheinenden „EXIT“-Reihe unterscheidet, ist vor allem das Erzählen einer großen Geschichte und das Anlegen als echtes Escape-Room-Spiel, indem es die SpielerInnen von einem Raum zum anderen schaffen müssen.

Das Spielprinzip ist simpel und macht den Einstieg leicht. Der erste Kellerraum dient noch zum Üben im Umgang mit den Materialien sowie dem Einteilen von Aktionsscheiben. Dort ist alles noch relativ einfach gehalten und es kann auch nichts mit Auswirkungen für das weitere Spiel passieren. Im Gegensatz zum späteren Spiel müssen nicht verwendete Aktionsscheiben wieder abgegeben werden. Dass eine Verzweiflungskarte abgehandelt wird, ist ebenfalls vorgesehen. Wenn das Ritual gestartet und damit dann auch das Tutorial vollendet wurde, hat man alles Notwendige gelernt, die App verwendet und das Prinzip für den weiteren Verlauf sicherlich gut verstanden.

Nach dem Keller begibt man sich immer tiefer hinab in eine Welt, die aus Träumen und Erinnerungen von Lizzy bestehen. Das Szenario ist dabei generell recht düster gehalten und alles erscheint in düsterem Neonlicht und voller Rätsel. Nur vereinzelt gibt es Lichtblicke, die meist in der Form von persönlichen Dingen Lizzys daherkommen. Die Freigabeempfehlung ab 16 Jahren sollte durchaus ernst genommen werden. Jüngere Semester können durchaus verstört werden durch das, was sie hier sehen und hören. Narrativ betrachtet ist das Spiel sehr fesselnd und bei meiner Frau und mir hat dies unter anderem auch dazu beigetragen, dass wir das Spiel am Stück in rund 3,5 Stunden durchgespielt haben.

Was die Rätsel anbetrifft, gibt es eine gute Mischung aus bekannten Rätselformen. Bei vielen Rätseln hatten wir richtig Spaß bei der Lösung, bei anderen haben wir nicht gleich verstanden, wo wir anfangen sollten. In den meisten Fällen hat die App mit den Lösungshilfen aber sehr gute Arbeit geleistet und oft reichte schon ein kurzer Hinweis, wie das Rätsel anzugehen ist. Die Hilfe, wie viele Karten gefunden werden müssen, damit das Rätsel gelöst werden kann, haben wir so gut wie immer in Anspruch genommen, da dies unnötiges Rätseln bei fehlenden Hinweisen verhindert hat bzw. bei manchen Karten, bei denen nicht immer gleich erkennbar war, dass alle Hinweise bereits vorlagen, mit dem Rätselraten zu beginnen. Es gab allerdings auch 1-2 Rätsel, bei denen wir die Lösung zur Hilfe genommen haben und selbst dann noch nicht ganz wussten, wie der Weg dahin war. Wenn etwas fehlt bei dem Spiel, dann Erklärungen dazu, wie der Lösungsweg bei den einzelnen Rätseln ist.

Generell hat uns das Spielen sehr viel Spaß gemacht. Allerdings gab es auch einen riesigen Frustmoment. Auf der Karte K120 steht als Text „Sobald ihr die 2 Karten mit den unten abgebildeten Symbolen gefunden habt, lest P122“ gefolgt von 2 Symbolen. Eines der Symbole hatten wir bereits 2x gefunden, das zweite fehlte uns aber noch. Wir hatten alles abgesucht, aber keinerlei Möglichkeit mehr gesehen, dass noch irgendwo etwas gefunden werden kann. Erst als wir den Text anders verstanden hatten, nämlich im Sinne von „Sobald ihr 2 Karten mit den unten abgebildeten Symbolen gefunden habt, lest P122“, war uns klar, dass wir bereits alle Hinweise hatten. Das zweite Symbol resultierte aus einem alternativen Weg zu diesem Punkt und konnte auf dem Weg, den wir gewählt hatten, nicht gefunden werden. Eine ungünstige Formulierung bzw. eine „die“ zu viel hätte an dieser Stelle fast dazu geführt, dass wir gefrustet aufgehört hätten.

Nach den rund 3,5 Stunden Spiel waren wir geistig dann tatsächlich ein wenig erschöpft, da die Rätzelei teils doch recht anspruchsvoll war. Es war aber eine freudige Erschöpfung. Auch der für uns nicht ganz so gute Ausgang des Abenteuers hat nicht für Enttäuschung gesorgt. Nun wissen wir, dass wir unterwegs das eine oder andere vielleicht hätten anders angehen sollen. Und somit steht fest, dass wir uns mit ein wenig zeitlichem Abstand noch einmal in das Abenteuer stürzen werden, um die kleine Lizzy zu retten. Und wenn es für ein Escape-Room-Spiel so etwas wie eine Auszeichnung gibt, dann sicherlich den Wunsch es noch einmal zu spielen. Alles richtig gemacht. Bis auf Karte K120…

Bilder zum Spiel

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Tags: Thematisch, Murder/Mystery, Escape Room, Deduktion, 1-4 Spieler, Puzzle, Kooperativ, Solospiel

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