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TEST // Riverboat

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uwe

Man erntet, was man säht

Kann sich Riverboat nun wie ein Schaufelraddampfer aus der grauen Masse an Strategiespielen herausheben oder versumpft das Ganze im Niemandsland? Bei der Spielmechanik jedenfalls lässt sich ein alter Hase wie Michael Kiesling natürlich nicht lumpen. Mir persönlich hat die Mischung aus Workerplacement, ein klein wenig Puzzle, Glückselementen und dem stetigen Wettlauf gegen die Konkurrenz jedenfalls einiges an Spaß bereitet. Interessant fand ich vor allem, dass der Startspieler durch das Verteilen der Phasenkarten ständig wechselt und man so bereits vor Rundenbeginn genau planen muss, welche Vorteile und Aktionen einen am ehesten ans Ziel bringen. Das sorgt für Dynamik im Spielablauf, welche auch durch die geringe Downtime unterstützt wird. Da die Auslage immer wieder anders aufgebaut wird, ist ein stetiger Wiederspielreiz ebenfalls gegeben. Auch das Spielmaterial weiß größtenteils zu überzeugen, auch wenn man mit heutigen Kickstartern qualitativ nicht mithalten kann. Zusammen mit der einigermaßen hohen Interaktion, die durch das ständige Wegschnappen von Plättchen und Karten garantiert ist, ergibt sich mir also ein stimmiges und logisches Gesamtbild.

Abzüge gibt es jedoch in der B-Note. Im Allgemeinen legt das Spielbrett aus meiner Sicht eher Wert auf Funktionalität und greift die Hintergrundgeschichte des Spiels nur am Rande auf. Ohnehin wirkte die Thematik für alle Anwesenden am Tisch eher austauschbar. Schade eigentlich, denn spätestens die liebevollen Flavour-Texte in der Anleitung haben mehr erwarten lassen. Das ist aber weniger schlimm als andere gestalterische Mängel. So ist die Farbwahl bei der Auslage von Ackerfeldfrüchten sowie die zugehörige Symbolik definitiv danebengegangen. Gerade bei schlechtem Licht lassen diese sich nämlich nur schwer unterscheiden. Bei den Schiffsplättchen (2er und 3er) ist es zudem jedes Mal vor Beginn ein Kampf, diese auseinander zu dröseln. Ein Sortiersystem hätte hier Abhilfe geschaffen. Aufgrund der Größe der Plättchen ist die Handhabung ebenfalls unnötig frickelig. Das haben andere Spiele aus dem Verlag schon besser gelöst bekommen.

Trotz dieser Merkwürdigkeiten lohnt sich der Kauf gerade für Einsteiger in den Bereich der Kennerspiele. Die Kombination aus Strategie gepaart mit Fortunas Zutun sollte bei dieser Zielgruppe gut ankommen. Die recht einfachen Regeln erlauben einen schnellen Einstieg und verheißen so interessante Stunden am Mississippi. VielspielerInnen jedoch wird Riverboat wahrscheinlich auf mittlere bis lange Sicht zu eintönig sein, da die taktischen Möglichkeiten eher begrenzt sind und der Sieg meistens doch anhand der Kommissionäre oder dem Hafenmeister ausgemacht wird. Wen das allerdings nicht stört und man auf der Suche ist nach einem etwas weniger anspruchsvollen Spiel, welches auch nach einem langen Arbeitstag noch zündet, der sollte einen Blick riskieren. Denn unterm Strich ist Riverboat ein gelungenes Spiel, das auch in Zukunft noch das ein oder andere Mal bei mir auf dem Tisch landen wird, wenn es mir der gute Tom Sawyer nicht wegschnappt. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch vielleicht beim nächsten Mal erzähle. Bis dahin, viel Vergnügen beim Spielen.

Bewertung

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Tags: Teile Platzieren, Karten draften, 60-90 Minuten, Liefern, Worker Placement, Amerika, Sets erstellen, Puzzle, 2-4 Spieler, Strategie

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