TEST // Vejen

TEST // Vejen

Als absoluter Fan von Handels- und Wirtschaftsspielen (zur Schulzeit habe ich stundenlang Hanse und Vermeer auf dem C64 gespielt) war ich schnell neugierig, wie sich Vejen spielen lässt. Ich wurde nicht enttäuscht.

Den Kniff von zwei unterschiedlichen Währungen (dänische Kronen und deutsche Taler) finde ich gut gelungen. Durch schnelleres Bauen von Kontoren bzw. Überfallen von Mitspielern (bei entsprechender Bonuskarte) kann auf die Handlungen der Mitspieler Einfluss genommen werden. Gerade letzteres kann sehr ärgerlich für den betroffenen Spieler sein, da geplante zunächst optimale Aktionen i.d.R. angepasst werden müssen. So können unterschiedliche Strategien zum Erfolg führen, was zum mehrmaligen Spielen einlädt. Das Spiel ist durch 10 verschiedene Wertungskarten und 34 unterschiedliche Ereigniskarten variabel, und somit auch für Vielspieler interessant.

Der Glücksfaktor ist bei Vejen eher durchschnittlich. Pech mit den Ereigniskarten hinsichtlich der Entwicklung des Wechselkurses, bzw. mit Ortsperrungen durch Pest kann aber zu notwendigen Änderungen der eigenen Planungen oder geringeren Ertrag durch Verkäufe führen. Gerade zu Beginn kann dies zu einem Nachteil führen, wenn die Spieler in verschiedenen Ländern starten und ein Kurs deutlich tiefer ist, wodurch der entsprechende Spieler mehr kaufen kann. Deswegen macht es Sinn, gleich zu Beginn Kontore in beiden Ländern zu haben, bzw. sich grenznah aufzuhalten, um so direkt auf Kurse reagieren zu können.

Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass mit der leider auch nicht zu verhindernden Downtime, das Spiel sich manchmal etwas in die Länge zieht, so dass die auf der Box angegebenen 60 bis 120 Minuten zumeist überboten werden. In den letzten Runden des Spiels wird oft die gleiche Reihenfolge von Aktionen wiederholt, da zu diesem Zeitpunkt jeder für sich in der Regel die optimale Aktionenreihenfolge herausgefunden hat. In den ersten Partien überrascht dies manchen Spieler vielleicht zunächst etwas, da dieses bei anderen Wirtschaftsspielen selten so stark auffällt.

Die Ermittlung des Verkaufserlös beim Verkauf von Waren in Abhängigkeit von der kürzesten Landwegentfernung zwischen Kontor- und Verkaufsort kann hinterfragt werden. Dass die gleiche Ware beim Verkauf aus zwei unterschiedlichen Orten zu doppelt so hohen Verkaufserlösen führen kann, ist auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar, im Vergleich zu anderen Wirtschaftsspielen. Die Argumentation mit besonderer knapper bestimmter Ware aus dem Ort X, statt aus nicht so knapper gleicher Ware aus Ort Y mag hier helfen. Den vereinfachten Mechanismus zur Ermittlung des Verkaufserlöses finde ich aber in Ordnung und für ein Kennerspiel angemessen.

Für Hanse- und Wirtschaftsspielefans ist Vejen trotz aller berechtigter Kritik eine gelungene Abwechslung auf dem Spieltisch. Das Spiel ist trotz seiner Einfachheit relativ Komplex. Das Finden der für sich passenden Strategie ist motivierend und je nach Spielrunde werden hier unterschiedliche Herangehensweisen für den Sieg benötigt. Mit Vejen werden ich sicherlich nicht ganz so viel Zeit wie mit Hanse oder Vermeer verbringen, aber es wird auf jeden Fall öfters auf den Tisch kommen.

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Tags: Wirtschaftsspiel, 2-4 Spieler, Strategie

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