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TEST // IT'S A WONDERFUL WORLD

TEST // IT'S A WONDERFUL WORLD

Naturwissenschaften, Kultur, Industrie und finanzielle Mittel gehören zu den Säulen einer modernen Gesellschaft. Viele von uns hatten vielleicht einmal den Traum, eine solche Gesellschaft zu formen, es „besser“ zu machen als führende Politiker oder ein Land mit eiserner Faust zu führen. Aber welche dieser Säulen bringt den modernen Diktator von heute ans gewünschte Ziel und wie führt man die größte Zivilisation, die diese Welt jemals gesehen hat, zu ihrer Blüte, während andere versuchen, ihr den Platz an der Sonne streitig zu machen?

 

infos zum spiel

Die Kickstarter-Version des Spiels IT´S A WONDERFUL WORLD von ORIGAMES und LA BOÎTE DE JEU wurde von BSN gekauft.
Auf unsere Bewertung hat das keinen Einfluss.

 

Der Spielablauf

 

Bei IT´S A WONDERFUL WORLD (im nachfolgenden nur WONDERFUL WORLD genannt) übernehmen 1-5 Spieler die Rolle eines Imperiums der Zukunft auf ihrem Weg zur vollständigen Weltherrschaft. In reinster Drafting-Manier versuchen die Spieler dabei, die Karten aus dem Drafting zu erhalten, die ihre Strategie am besten unterstützen. Die etwa 45 Minuten Spieldauer verteilen sich auf 4 Runden, die jeweils einen sehr ähnlichen Ablauf haben. Eine typische Spielrunde besteht aus 3 Phasen: Drafting, Planung und Produktion. In der Draftingphase erhalten die Spieler (bei 3-5 Spielern) 7 Karten ausgeteilt und suchen sich eine dieser Karten aus.

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Die Karten stellen bei WONDERFUL WORLD Gebäude oder Ereignisse dar, die mit bestimmten Ressourcen errichtet werden müssen. Während der Draftingphase können die Spieler die Funktionen der auszuwählenden Karten an den 5 essentiellen Informationen, die sich auf einer Karte befinden, erkennen.

Die offensichtlichste Information gibt am oberen linken Rand der Karte Auskunft über die Baukosten der Karte. Am unteren Rand des Artwork der Karte lassen sich Konstruktionsboni finden. Befindet sich dort ein Symbol für eine Ressource, so erhält der Spieler diese, sobald er das Gebäude errichtet hat. Am unteren Rand der Karte befinden sich die Ressourcen, die das Gebäude während der Produktionsphase generiert. Die untere linke Ecke gibt Auskunft über mögliche Siegpunkte der Karte und schlussendlich gibt der rechte untere Rand Auskunft über den sogenannten Recyclebonus der Karte (dazu später mehr).

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Haben sich die Spieler für eine Karte entschieden, legen sie diese nun verdeckt vor sich und geben die Karten in den Runden 1 und 3 nach links und in den Runden 2 und 4 nach rechts herum weiter. Bevor nun die nächste Karte gewählt wird, decken die Spieler ihre Karte auf, sodass jeder Spieler sehen kann, für welche Art Karte sich Spieler X entschieden hat. Hat jeder Spieler insgesamt 7 Karten ausgewählt, beginnt die Planungsphase.

Nun müssen sich die Spieler dazu entscheiden, welche Gebäude sie behalten möchten und welche Gebäude lieber recycled werden sollen. Entscheidet sich ein Spieler dazu, ein Gebäude zu behalten, so legt er diese Karte in seinen Konstruktionsbereich. Entscheidet er sich aber, eine Karte zu recyclen, wird diese Karte abgeworfen und er erhält den bereits erwähnten Recycle-Bonus, den er sofort einem Gebäude zuweisen muss. Jedes Gebäude, dass in dieser Phase bereits fertiggestellt wurde, kann auf die entsprechende Position der Imperiums-Karte gelegt werden, um zu symbolisieren, dass es fertig ist. Ist dies geschehen, beginnt die Produktionsphase.

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In der Produktionsphase achtet jeder Spieler nun auf den unteren Rand seiner fertiggestellten Gebäude und produziert diejenigen Ressourcen, die ihm seine Gebäude ermöglicht. Dies geschieht in einer festgelegten Reihenfolge, die leicht am Verwaltungsfeld in der Mitte des Spielfeldes abgelesen werden kann. Zunächst produzieren die Spieler weiße Ressourcen, danach schwarze, grüne, gelbe und schlussendlich blaue Ressourcen.

Warum ist das wichtig? Jedes Gebäude, das eine Ressource produziert, die noch nicht erzeugt und während der Produktionsphase fertiggestellt wurde, produziert bereits mit. Ein Beispiel: Gebäude A braucht 2 weiße Ressourcen, um fertiggestellt zu werden, und würde dann 2 schwarze Ressourcen produzieren. Spieler A erzeugt während der ersten Produktion die benötigten weißen Ressourcen und schließt Gebäude A ab, woraufhin es bereits in der Produktion der schwarzen Ressource 2 schwarze Ressourcen produziert.

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Je nachdem, welchen Spielmodus die Spieler gewählt haben, produziert in jedem Fall die eigene Imperiums-Karte ein festes Kontingent an Ressourcen, die in jeder Runde, neben den fertiggestellten Gebäuden, hinzukommen.

Produziert ein Spieler eine Ressource, die er nicht direkt verbrauchen kann, muss er diese auf seine Imperiums-Karte legen. Sobald 5 Ressourcen so abgelegt wurden, formen sie eine rote Joker-Ressource, die entweder bei manchen Gebäuden als benötigte Ressource dient oder als eine beliebige Ressource verwendet werden kann.

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Der Überblick über die Ressourcen und darüber, welcher Spieler welche Ressource produziert, kann dabei spielentscheidend sein. Erzeugt ein Spieler nämlich von einer oder mehreren Ressourcen mehr als die anderen Spieler, erhält er einen Finanzier bzw. General (je nach Ressource oder Wahl), die entweder selbst als benötigte Ressource eingesetzt werden können oder zum Spielende je einen Siegpunkt bedeuten.

Haben die Spieler nach 4 Runden das Spielende erreicht, werden die Siegpunkte zusammengezählt. Dies funktioniert in den meisten Fällen durch das Sammeln bestimmter Sets (für jede grüne Karte erhält der Spieler 2 Punkte, für jede Gelbe Karte … usw.), deren Konditionen der Spieler jedoch während des Spiels erhalten haben muss. Manche Gebäude vergeben einfach so Punkte, andere Gebäude verleihen dem Spieler aber einen Bonus für jede Karte einer Farbe oder zusätzliche Punkte für gesammelte Finanziere oder Generäle. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt das Spiel.

 

Spielvariationen

 

WONDERFUL WORLD bietet eine Vielzahl von Spielvariationen. Für das normale Spiel haben alle Imperiums-Karten eine symmetrische und eine asymmetrische Seite. Während die Spieler bei der symmetrischen Karte über die gleichen Ressourcen zu Beginn verfügen, unterscheiden sich diese auf der asymmetrischen Seite, wodurch bestimmte Spieler sich auf bestimmte Ressourcen konzentrieren können. Zusätzlich erhalten die Spieler bereits eine Siegpunktbedingung, um den Spielern bereits zu Beginn eine gewisse Richtung zu geben, die aber keinesfalls festgeschrieben ist.

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Der 2-Spielermodus unterscheidet sich nicht maßgeblich von der Standardspielvariante, jedoch erhalten die Spieler während des Draftings 10 Karten, anstelle der üblichen 7, sodass sie eine gewisse Auswahl haben, welche Karten sie erhalten möchten (es werden aber trotzdem nur 7 Karten ausgewählt). Beim Einzelspielermodus sieht die Variation schon anders aus. Hier wird das Drafting etwas angepasst. Der Spieler bereitet vor Spielbeginn 8 Stapel mit je 5 Karten vor, die seine Draftingphase darstellen. Während eines Zuges wählt der Spieler nun einen dieser 8 Stapel aus und wählt, welche Karten er recyclen oder behalten möchte. Daraufhin erhält er einen zweiten Stapel und wiederholt diesen Ablauf, Danach geht er in seine Produktionsphase über. Zusätzlich hat der Spieler die Möglichkeit, 2 Karten abzuwerfen, um 5 Karten vom Nachziehstapel zu ziehen und sich eine Karte daraus auszuwählen.

Besonders macht diesen Einzelspielermodus, dass er über 6 kleine Übungsszenarien verfügt, bei denen bestimmte Regeln und Möglichkeiten während des Spiels erklärt werden. In den meisten Fällen erhält der Spieler bereits ein paar Gebäude und hat das Ziel, diese Gebäude zum Ende hin fertiggestellt zu haben, während er eine gewisse Punktzahl erreichen muss. Für erfahrenere Spieler bietet dieser Modus ebenfalls Herausforderungen, bei denen der Spieler eine gewisse Punktemarke erreicht haben muss. Besonders zum Erlernen des Spiels oder zum Ausprobieren neuer Taktiken ist dieser Modus sehr hilfreich.

 

Der Kampagnenmodus

 

In der uns vorliegenden Version ist bereits der Hertiage-Modus enthalten, der im 4Q diesen Jahres im regulären Handel erscheinen soll. Dabei handelt es sich um 6 Kampagnenspiele, bei der die Spieler (bei jeder Spieleranzahl) eine kleine Geschichte verfolgen und langsam aber sicher auch neue Spielmechaniken freischalten können. Besonders macht diesen Modus, dass jede Mission unendlich oft wiederholt werden kann (womit jede dieser 6 Missionen als eine eigene Spielvariante dienen kann) und dass die Spieler am Ende der Kampagne einen Kartenbooster erhalten, in dem neue Karten für das Hauptspiel enthalten sind, die ihre Erfolge (oder Misserfolge) der Kampagne widerspiegeln.

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In der Kickstarter-Version ist ebenfalls die Kampagne „Leisure and Decadence“ enthalten, die ähnlich wie die normale Kampagne funktioniert, jedoch das Hauptspiel enorm durch Karten sowie verschiedenste neue Spielmechaniken (die hier aber aus Spoiler Gründen nicht genannt werden sollten) bereichert.

 

Was ist in der Box?

 

WONDERFUL WORLD bietet eine reiche Auswahl an Ressourcen und insbesondere Karten. Im Grundspiel sind 150 Karten (die mit den Kampagnen auf 220+ erweitert werden können), 170 Ressourcen (ca. 30 von den jeweiligen Farben), 80 Financier und Generalmarker, 1 Rundenmarker aus Holz, 5 zweiseitige Imperiums-Karten, 1 Punkteblock und ein Verwaltungsfeld enthalten.

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Das Material bewegt sich im oberen Brettspielstandard. Die Ressourcenwürfel sind farblich sehr gut zu unterscheiden, das Verwaltungsfeld besteht aus doppeltbedruckter und sehr solider Pappe und die Karten weisen eine sehr gute Griffigkeit und Qualität auf. Insbesondere die Nutzung der Spielschachtel der vorliegenden Heritage-Version ist außerordentlich gut durchdacht. Jedes Teil hat einen angestammten Platz, die Ressourcen besitzen bereits eine eigene kleine Schale, mit der sie direkt aufs Verwaltungsfeld gelegt werden können. Und auch an zukünftige Veröffentlichungen wurde gedacht, da die Erweiterung ebenso perfekt in die Spielschachtel der Grundversion integriert werden kann. Durch diese so ausgelegte Spielschachtel können die Spielkomponenten im Inneren keinerlei Schaden nehmen, da selbst durch extremes Schütteln kein Teil verrutschen oder sich auch nur bewegen kann.

Die Spielanleitung erklärt die Regeln kompakt auf 6 Seiten, ohne große Textwände, da diese permanent von Grafiken und Beispielen aufgelockert werden. Das futuristische Artwork unterstreicht die Thematik und Atmosphäre des Spiels dabei sehr gut und lässt die Spieler dabei gut in die Welt von WONDERFUL WORLD eintauchen.


Da diese Rezension schon lang genug geworden ist, versuche ich, mich hier kurzzufassen (auch wenn das schwer wird). WONDERFUL WORLD ist ein richtiges Brett. Die Grundmechaniken des Spiels funktionieren ganz nach dem Motto „Easy to learn – Hard to master“, was sich bei meinen Spielrunden immer wieder gezeigt hat. WONDERFUL WORLD hat mich persönlich sehr schnell überzeugt, was mich ebenso schnell skeptisch gemacht hat, ob der „Fanboy“ in mir geweckt wurde. Daraufhin habe ich dieses Spiel mit so vielen Spielern gespielt, wie es die derzeitige Situation zuließ, wodurch ich es einige Male erklären musste. Die Spielerklärungen dauerten jedes Mal keine 10 Minuten, da die zentralen Mechaniken schnell und offensichtlich zu erklären sind, die Umsetzung des soeben Erlernten war dabei aber schon schwieriger. Zu Beginn waren meine Mitspieler schnell überwältigt von der Kartenvielfalt, begannen aber bereits in Runde 2 einen Durchblick (und damit auch einen Plan) zu entwickeln, was insbesondere strategische Spieler regelmäßig auch schneller bewerkstelligten. Es war aber dennoch auffällig, dass Spieler mit mehr Erfahrung die anderen Spieler bei der Endwertung stark abgehängt haben, woraufhin wir die Spielvariationen etwas anpassten (asymmetrisch). Erfreulich dabei war, dass so ziemlich jeder Spieler meine Meinung über das Spiel im Wesentlichen teilte. Das Grundspiel bietet ein äußerst solides Spiel, was wir mit Leichtigkeit im unteren 80ger Bereich unserer Punkteskala angesiedelt hätten, wären da nicht die Kampagnen gewesen…

Die Kampagnen machen WONDERFUL WORLD erst zu etwas GANZ Besonderem. Die Idee, ein Drafting/Setcollecting Spiel mit einer Geschichte zu entwickeln, kann ganz schnell in die Hose gehen. WONDERFUL WORLD hat es hier aber geschafft, sich selbst mit den Kampagnen noch zu steigern, sodass ich fast keine Kritikpunkte mehr finden konnte. Während das Grundspiel noch Probleme mit seinem Wiederspielwert, seiner spielerischen Tiefe (insbesondere ist damit die Tiefe für Vielspieler gemeint) und dem variationslosen Siegpunktsystem hat, lösen die Kampagnen diese Probleme fast vollständig auf. Zwar sind einige Missionen weniger erwähnenswert, andere wiederum bringen Ideen ein, die wir als durchaus genial in Kombination mit dem Grundspiel empfanden. Ebenso, dass das Hauptspiel mit neuen Karten erweitert wird, die die Erfolge der Kampagne widerspiegeln, hat etwas ungewöhnlich Befriedigendes. Auch die neuen Mechaniken, die die Kampagnen einführen, sind ein regelrechter Durchbruch, da hier absolute Spieltiefe und auch Siegpunktvariation hinzukommen.

Problematisch ist dabei, dass relativ viel (im Mechaniksektor) aus der „Kickstarter exklusiven“ Kampagne stammt, von der bisher noch nicht bekannt ist, ob sie den Einzelhandel erreichen wird. Aber nicht nur die Karten und die Mechaniken machen diese Kampagnen zu einem Vergnügen, da sie ebenfalls mit sehr charmanten Erzählungen ausgestattet sind, die die Spieler in die Rolle eines Weltherrschers stecken (komplett mit kleinen auswählbaren Reden, die der Sieger den Spielern am Tisch vortragen kann, etc.) und insbesondere viel Potenzial für Rollenspielgruppen bilden. Die Spieldauer der jeweiligen Kampagnen könnte für schnelle Gruppen ca. 4-6 Stunden betragen, wodurch es möglich ist, eine ganze Kampagne an einem langen Spieletag zu erfüllen, ohne dass die Gruppe sich auflöst und eine überlange Kampagne nie einen Abschluss findet. Natürlich bietet WONDERFUL WORLD hier kein GLOOMHAVEN Äquivalent, aber trotzdem werden den Spielern Entscheidungen abverlangt, die den Verlauf von weiteren Missionen beeinflussen können. Ich persönlich habe für diesen Test (natürlich ausschließlich für diesen Test *hust*) jede Mission und jede Kampagne vollständig durchgespielt, wofür das Spiel über 4 Tage nicht einmal eingepackt wurde, nur um ein vollständiges Bild vom Spiel zu erhalten (ich habe nun ca. 18 Stunden reine Spielzeit hinter mit).

Am Ende dieser Reise kann ich nun ohne schlechtes Gewissen sagen: Ja, WONDERFUL WORLD hat noch hier und da ein paar Macken und insbesondere ein paar Spielmechaniken könnten noch etwas poliert werden, ABER nichtsdestotrotz ist WONDERFUL WORLD eines der besten Spiele, die ich je spielen durfte. Dieses Spiel bietet für jeden Fan von Drafting und Set Collection etwas, hat einen brillanten Einzelspielermodus und bietet mehr Variationen, als sehr viele andere Spiele auf dem Brettspielmarkt.

Ich bin sehr glücklich dieses Spiel in meiner Sammlung zu haben (wobei es nun dafür sorgen wird, dass meine Kopie von 7 WONDERS vermutlich für eine sehr lange Zeit nicht mehr ausgepackt wird). Und nun entschuldigt mich. Ich habe ein Imperium zu führen!

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

Tags: Ressource Management, Karten draften, Set sammeln, 45 Minuten, 1-5 Spieler

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