INTERVIEW // 45 Minuten mit Uwe Rosenberg



Als wir am Stand ankommen, an dem wir unser Gespräch führen wollen, wird er von einigen Personen ganz aufgeregt angeschaut. Uwe registriert das kaum, doch auch das ist ganz sicher ein Aspekt der neuen Entwicklung, Spieleentwickler könnten bei weiteren Wachstum immer mehr zu “Star” ähnlichen Personen werden. Dass er während der Messe rund 200 Selfies gemacht hat, spricht für diesen Trend.

Wir setzten uns hin und Uwe bittet um eine kurze Pause. Sein Tag war bisher schon mental fordernd. Er habe unzählige Spiele signiert und wenn er das mache, dann sei er auch vom Kopf her bei den Menschen, die ihn darum bitten. Dann setzen wir unser Gespräch fort.

“Spiele sind wichtig, sie bringen uns die Menschlichkeit. Videospiele seien zwar toll, aber das Miteinander fehle dann am Ende doch. Das bringt dann viele Menschen wieder an den Tisch um gemeinsam zu spielen” Jetzt merkt man, dass es ein Thema ist, das Uwe wichtig ist. “Es wird immer mehr Gamifikation geben. Gamifikation ist die Anwendung spiel­typischer Elemente in einem spielfremden Kontext. Ich persönlich mag es viele Dinge im Leben spielerisch anzugehen. Wenn es zum Beispiel bei Real für 100 € einen 10 € Gutschein gibt, dann kaufe ich dort mehrmals ein, Dinge die nicht schlecht werden, die man immer brauchen kann. Und dann versuche ich so knapp wie möglich über die 100 € zu kommen...” sagt er mit einem verschmitzten Lächeln und fügt an: “Damit meine ich dann 101 Euro”.

Wenn wir schon über Spiele reden, will ich natürlich auch wissen, wie Uwe auf die komplexen Spiele kommt.

“Ich lege mich auf das Bett, mache die Augen zu und denke nach. Irgendwann kommt ein Punkt, an dem ich das Gefühl habe dass es passen könnte. Dann setze ich mich an den Tisch und mache ganz viele Zettel und lege los”.

Ich versuche mir vorzustellen, wie es sein muss “Arler Erde” oder “Ein Fest für Odin” auf Zetteln darzustellen. Mein Vorstellungsvermögen reicht nicht aus und natürlich will ich wissen wie das gehen soll.

“Es ist nicht so, dass ich das Spiel sofort da habe wo es am Ende steht. Es gibt als erstes immer einen Spielreiz. Es muss ein Grund geben ein Spiel zu spielen. Dieser Reiz muss von Anfang an da sein. Dann kommt der nächste Aspekt dazu der ebenfalls passen muss. Ich habe da nie eine fertige Idee im Kopf, sonder höre dem Spiel zu. Das Spiel entwickelt sich aus sich heraus. Auch der Hintergrund muss ganz früh vorhanden sein, damit die Spielaspekte dazu passen, die sich nach und nach anfügen. Wichtig ist mir auch passive statt aktive Aktivität. Das bedeutet, dem Mitspieler nichts wegzunehmen, sonder ein Feld zu blockieren, so dass er dann ein anderes verwenden kann. Das Gefühl beim Spielen ist ein anderes.”

Wenn man Uwe Rosenberg über seine Spiele reden hört und wie sie entstehen, werden zwei Dinge schnell deutlich. Erstens: Sein Erfolg ist kein Zufall, auch wenn er einräumt bei “Patchwork” einfach Glück gehabt zu haben. Er arbeitet an seinen Spielen und hinterfragt immer alles und vor allem hört er trotz seiner Jahrzehnte als Spieleautor auf die Rückmeldungen seiner Fans. Auch hier merkt man, dass er sich selber sehr zurücknimmt. Wichtig ist für ihn nur, dass am Ende immer das bestmögliche Spiel entsteht, und das gelingt ihm immer wieder.

Zweitens: Er arbeitet er eher wie ein Künstler, der eine Skulptur aus dem Stein meißelt. Am Anfang ist ein großer Klotz und am Ende ist daraus ein filigranes Kunstwerk entstanden, dass viele Details und Facetten aufweist.

Doch nach der Vergangenheit, über die Gegenwart, kommen wir zum Ende des Gesprächs in der Zukunft an. Natürlich will ich wissen, was auf uns Spieler wartet. Aktuell habe er fünf Spiele in der Entwicklung. Eins sei in Ägypten angesiedelt. Mehr mag er dann dazu nicht sagen. So oder so überwiegt die Vorfreude, auf seine neuen Werke - egal wie viel man schon weiß. Die Zeit dazwischen können wir ein Fest mit Odin feiern, oder uns um unseren Cottage Garten kümmern.

Vielen dank für die Zeit und das Gespräch Uwe!

Bildquelle: Anleitung Agricola Familienversion

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