TEST // Teotihuacan

Verfasst von Daniel Krause am .

TEST // Teotihuacan

„Teotihuacán“ das Brettspiel ist im zentralen Hochland von Mexiko angesiedelt. Es ist eine der bedeutendsten prähistorischen Ruinenstädte Amerikas. Sie ist vor allem für ihre Stufentempel wie etwa die große Sonnenpyramide bekannt ist. Diese Tempel sind das Zentrum des Spiels

und die Spieler haben die Aufgabe, gemeinsam einen Tempel zu errichten. Erfahren Sie hier, warum das Spiel so viel Spaß macht.

Eckdaten zum Spiel

Das Spiel „Teotihuacan“ ist 2018 beim Schwerkraft Verlag in deutscher Sprache erschienen. Es stammt von den Autor Daniele Tascini, der unter anderem „Tzolk'in“, „Marco Polo“ oder das ebenfalls 2018 in Deutschland erschiene „A Tale of Pirates“ erschaffen hat. Für die Grafik ist „Odysseas Stamoglou“ verantwortlich. Das Spiel richtet sich an 1-4 Spieler ab 14 Jahren und dauert zwischen 90-120 Minuten. Wir testen ein gekauftes Exemplar.

Das Spielmaterial

Die Schachtel ist voll mit Spielmaterial, das durchweg gut produziert ist. Es hat Holz-Material für die Rohstoffe (Holz, Gold, Stein), Spieler-Scheiben, Pyramidensteine und dicke Pappmarker für Kakao und sonstige Plättchen. Der Karton hat kein Inlay aber Plastikbeutel für das Spielmaterial liegen bei. Die Anleitung ist umfangreich und verständlich.

Optisch ist das Spiel als abstrakt zu bezeichnen. Wichtig ist jedoch, dass die verwendeten Icons recht schnell verinnerlicht werden und dem Spieler ermöglichen, die komplexen Abläufe nachvollziehen zu können. Mehr Optik wäre vermutlich eher verwirrender geworden. Bitte nur nicht den Fehler machen sich von der Optik abschrecken zu lassen. Highlight des Spielmaterials ist fraglos die Pyramide im Zentrum des Spielfelds. Diese wächst im Laufe des Spiel empor und gibt einen dreidimensionales Gefühl von Spielfortgang.

Angespielt // Teotihuacan – gelungener Ausflug nach Mexiko

Das Spiel

„Teotihuacan“, oder wie viele meiner Mitspieler zu sagen pflegen „das Spiel mit dem unaussprechlichen Namen“, ist ein recht komplexes Spiel, bezogen auf die Möglichkeiten, die es bietet. Die Spielfunktionen sind jedoch sehr simpel. Es gibt Würfel als Arbeiter. Keine Angst - diese dienen nur als eine Speicherfunktion des Alters der Arbeiter. Sie werden nie geworfen und es gibt keinen Glücksfaktor im Spiel.

Die Würfel werden zwischen sechs zufällig platzierten Feldern im Rondell bewegt. Zwei weitere Plätze haben immer eine feste Position. Jedes Feld bietet mehre Optionen. Es gibt drei Orte, die Rohstoffe erschaffen. Dort kann abhängig vom Alter und der Anzahl der Arbeiter unterschiedlich viel Rohstoff erlangt werden. Als Alternativoption bieten die drei Felder jeweils einen Gebetsraum, in dem ein Arbeiter in einem der drei Götter der Tempel beten kann. Jedes Mal wenn dort ein Arbeiter reinkommt, geht der Spielermarker in der entsprechenden Leiste einen Schritt nach oben und erhält den Bonus der jeweiligen Tempel-Leiste. Für die Abgabe von Kakao, kann zusätzlich noch die zweit Aktion ausgeführt werden. Diese ermöglicht es ein Plättchen mit einer Maske zu nehmen, oder einer Sonderfunktion. Die Spieler können sich auch immer entscheiden das Plättchen, statt der Anbetung zu nehmen. Nur wer beides nutzen will zahlt Kakao.

Außerdem gibt es ein Palast Aktionsfeld, auf dem Anbetung stattfinden kann um Boni zu erlangen. Anbetung bindet die Arbeiter, bis sie von einem Mitspieler verdrängt werden oder alle Arbeiter Anbetung machen und der Spieler alle auf einmal zurückzieht und dann nichts mehr macht, in dieser Runde.

Angespielt // Teotihuacan – gelungener Ausflug nach Mexiko

In dem Ort der Alchemie können Spieler zusätzliche Boni erlangen, die sie bei Nutzung bestimmter Felder erhalten. Wer sehr früh Plätze sichert, erhält jedes Mal drei Punkte, wenn ein anderer Spieler sich an diese Technologie dranhängt als zusätzlichen Bonus.

Auf dem Feld Der Adeligen werden Gebäude errichtet. Für den Rohstoffe Holz bringen die Gebäude Siegpunkte. Hier gilt, wie im zuvor beschriebenen Feld, dass es sich lohnt früh zu investieren. Wer später Häuser baut bekommt immer weniger Siegpunkte. Gleichzeitig bringt jede Gebäude den eigenen Marker auf der Straße der Toten einen Schritt voran. Dieser dient bei den drei Wertungen als Multiplikator der Punkte, die durch das bauen weiterer Gebäude immer weiter abnimmt.

Verzierungen werden auf dem siebten Platz hergestellt. Diese Verzierungen bringen genau wie das im Folgenden noch beschriebene Bauwerk-Feld Siegpunkte und Fortschritte auf den Tempel-Leisten, abhängig von der Bauhöhe. Zusätzlich gibt es dort einen Schrein, der es erlaubt zu einem beliebigen Gott zu beten.

Im Bauwerk-Feld wird die Pyramide gebaut. Abhängig von der Würfelanzahl dürfen auch mehr als ein Element in due Pyramide eingebracht werden. Die Bausteine bringen zum einem über die Bauhöhe Punkte. Zum anderen mit der Symbol-Überlappung mit den darunter liegenden Feldern und zu guter Letzt noch über freigeschaltete Technologien, die in jedem Spiel variieren.

Angespielt // Teotihuacan – gelungener Ausflug nach Mexiko

Als Alternativ-Aktion darf immer Kakao geerntet werden. Hierbei – wie beim Anbeten – altern die Arbeiter nicht. Zieht ein Arbeiter in ein Feld, werden dort die Würfelzahlen gezählt und dann mit ein addiert. Das ist die Ausbeute an Kakao, der Zug ist zu Ende. Kakao wird immer dann gebraucht, wenn Felder betreten werden, auf dem sich schon Würfel befinden. Es muss ein Kakao für jede Farbe abgegeben werden. Auch das rausschieben anderer Arbeiter aus Gebetsräumen kostet ein Kakao und das Nutzen von zwei statt einer Option im Gebetsraum.

Die Arbeiter altern mit jeder Hauptaktion. Sie starten mit dem Alter 1. Sobald sie das Alter 6 erreicht haben steigen sie in den Himmel auf und bringen dem Spieler noch einmal einen Bonus, wie Siegpunkte Aufstiege auf den Palastfeldern oder einen vierten zusätzlichen Würfel. Zusätzlich wird der Aktuelle Spielzyklus mit jedem Arbeiter der Auffährt um eine Runde verringert. Die Aufgefahrenen Arbeiter erscheinen dann im Tempel als junge neue Arbeiter der Stufe 1.

Spielende

Das Spiel endet nach dem dritten Zyklus. Jeder Zyklus ist eine Rund kürzer als die vorherige. Nach jedem Zyklus gibt es eine Zwischenwertung und am Spielende eine etwas größere Endwertung, bei der zusätzliche Endwertungsplättchen zum Zug kommen.


„Teotihuacan“ hat mich wirklich überrascht. Am Anfang ist es erschlagend, wenn die acht Aktionsfelder beschrieben, die Aktionsmöglichkeiten aufgezeigt und die diversen Mechaniken beschrieben werden. Das Beste ist, nicht zu versuchen, alles zu verstehen und nicht schon in der ersten Partie den Anspruch zu hegen alles richtig zu machen. Losspielen und diese Spielwelt erkunden ist vollkommen ausreichend. Tatsächlich kamen alle Spieler verhältnismäßig schnell in der Spielwelt an und ab dann kann taktiert werden. Zum einen sollte ein Plan vorhanden sein, zum anderen ist Timing auch enorm wichtig. Da die Arbeiter immer im Rondel laufen und jede Runde ein Spieler nur einen Würfel bewegen darf (ohne Bonusplättchen) ist es manchmal wichtig mit dem Pulk zu laufen und oft auch wichtigen abseits vom Pulk zu bleiben. Wer Kakao benötigt, der sollte in der Gruppe bleiben. Wer ernsthaft produzieren will, sollte versuchen drei Würfel auf einem Feld zu vereinen. Das bringt sehr viele Rohstoffe oder andere Funktionen wie Produzieren. Doch dafür müssen dann vorab genug Rohstoffe angesammelt worden sein. Das können die Mitspieler dann erahnen und eventuell ein Feld teurer machen, in dem dort ein Würfle liegen bleibt.

Was ebenfalls geschickt geregelt ist, ist die variable Spielrunden-Anzahl. Durch das auffahren der Würfel, was die Spielzeit verkürzt, kann gegen ende der Zyklen oder auch des Spiels gezielt eine Runde weggenommen werden, die unter Umständen über Sieg oder Platz zwei entscheiden kann. In einer Partie war das tatsächlich der Fall, dass die Abkürzung den führenden Spieler den Sieg kostete.

Es bleibt bei Spielern mit ähnlichem Spielniveau lange spannend und auch wenn ein Spieler vorneweg rennt, kann ein anderer Spieler am Ende durch viele Endpunkte einigen Boden gutmachen. Äußerst bemerkenswert ist der "Pfad der Toten", der in der im ersten und zweiten Zyklus noch gut Punkte bringen kann, aber mit jedem gebauten Haus an Wert abnimmt. Dafür werden die Tempelleisten zum Spielende immer interessanter und können zahlreiche Punkte bringen. Eine Taktik das ganze Spiel durchzuziehen reicht hier nicht, es muss variabel agiert werden.

Das beste am Spiel ist jedoch, dass ich es gleich wieder spielen will. Das Spielfeld als auch die Technologien sind variabel. Das verändert den Schwerpunkt des Spiels jedes Mal in eine andere Richtung. Mehr kann ein komplexes Kennerspiel kaum bieten.

Wer anspruchsvolle Spiele mag und vielleicht auch schon „Tzolk'in“ mochte der wird mit „Teotihuacan“ viel Freude haben. Daniele Tascini hat hier einmal mehr bewiesen, dass er der Meister der Würfel ist.

Wertung

Wertung // Teotihuacan – gelungener Ausflug nach Mexiko

Bilder vom Spiel

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Tags: Strategie, Solospiel, Worker Placement, 1-4 Spieler, Variable Helden-Fähigkeiten, Set sammeln, Auslegen, Antike, Rasterbewegung

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