TEST // KING OF ALL BARDS

TEST // KING OF ALL BARDS

Verfasst von Dennis Klüting am .

Höret ihr Leute von Nah und Fern,
Musik, die haben doch alle gern!
Drum strömet herbei und und höret herein
in Shantys und Schnulzen und Lieder vom Wein!
In jeder Taverne, da spielt auch ein Barde,
bleibt doch nicht draußen, das wäre doch schade!
Die Barden erstreben nur eines – die Krone,
dafür brauchen sie Fans und manche Dublone.
Hört ihr sie singen, spielen und schrei'n?
Wer wird der König der Barden sein?

 

infos zum spiel

KING OF ALL BARDS stammt aus meiner privaten Sammlung.
Auf diese Rezension hat das keinen Einfluss.

 

An die Saiten, fertig, los!

KING OF ALL BARDS wurde von FANTASMAGIRA GAMES auf der SPIEL 2019 vorgestellt und ist nun für eine deutsche Veröffentlichung in der SPIELESCHMIEDE. Zwar war auf der SPIEL bereits eine Version auf Deutsch erhältlich, jedoch war die Übersetzung holprig und soll nun überarbeitet werden.

In KING OF ALL BARDS greifen die Spieler zu imaginären Lauten, Trommeln und Dudelsäcken und wollen mit ihrem Können den Titel „König aller Barden“ erringen. Dazu müssen sie sich eine eingefleischte Fangemeinde verschaffen (mindestens ein Fan in fünf verschiedenen Tavernen) und sich genug (fünf) Trinkgelder verdient haben.

 

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Jeder Spieler sucht sich einen Barden aus. Dieser hat eine Spezialisierung, eine Spezialfähigkeit sowie Fans, einen Würfel und ein individuelles Deck in seiner Farbe. Das Deck besteht aus Liederkarten und Trickkarten.

Die Barden entscheiden sich in jedem Zug für eine der sechs verschiedenen Kneipen, in der sie auftreten möchten. Dazu wählen sie verdeckt die entsprechende Zahl auf ihrem Würfel aus, dann wird gleichzeitig enthüllt.

Jede Taverne hat ihre einzigartige Atmosphäre und spricht damit ein ganz eigenes Publikum an. So kommen beispielsweise in der Seemannskneipe Shantys tendenziell besser an.

 

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Wenn sich alle Barden für ein Etablissement entschieden haben, wird überprüft, ob sich zwei vielleicht die gleiche Kneipe ausgesucht haben. Zwei Barden auf einer Bühne? Das kann nicht gutgehen. Das muss geregelt werden – natürlich mit einem ordentlichen Bardenwettkampf. Die Barden singen gegeneinander. Wer das Publikum stärker begeistern kann, darf bleiben, der Verlierer muss sich als Straßenmusiker auf dem Marktplatz verdingen (was nicht immer schlecht sein muss).

In den Kneipen singen die Barden, indem die Spieler würfeln. Bei einer 5 oder 6 war der Auftritt erfolgreich. Die Barden bekommen allerdings eventuell noch Boni: Wenn sie ein zu der Kneipe passendes Lied spielen, wenn das gespielte Lied ihrer Spezialisierung entspricht oder wenn sie bereits Fans in der Taverne haben. Eine 1 ist immer ein Fehlschlag, unabhängig von den Boni.

Wenn ein Barde erfolgreich aufgetreten ist, darf er sich eine von drei Belohnungen aussuchen: ein Trinkgeld, einen neuen Fan in der Kneipe oder eine neue Karte aus seinem Deck ziehen. Dann darf er ein neues Lied anstimmen, sich aber bei Erfolg nur noch zwischen den anderen beiden Belohnungen entscheiden. Nach maximal drei Liedern gibt es nichts mehr zu verdienen, dann ist der nächste dran. Bei Misserfolg endet der Zug sofort.

 

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Auf dem Marktplatz kann ein Barde keine neuen Fans gewinnen, aber dafür Fans aus einer Kneipe auf den Marktplatz holen oder, umgekehrt, von dort aus in eine Kneipe schicken.

Reines Würfelglück, ähm, also Virtuosität am Instrument, reicht allein aber nicht aus. Ein Barde muss auch gewitzt sein. Daher hat jeder Charakter ein paar Tricks in seinem Deck. So kann ein Barde beispielsweise mit einem epischen Solo einen ansonsten leider verbockten Auftritt noch retten oder mit einer angeschnittenen Saite den Auftritt eines ungeliebten Mitbewerbers sabotieren. Diese Tricks können sehr mächtig sein, kosten aber oft auch Trinkgelder, wenn ein Barde sie einsetzen will.

So erarbeiten sich die Barden nach und nach Trinkgelder und erringen die Gunst ihres Publikums. Leider fasst jede Kneipe aber auch nur eine bestimmte Anzahl von Fans. Sammeln sich zu viele in einer Taverne, kommt es zu Unstimmigkeiten und zu einer klassischen Kneipenschlägerei. Dabei werden alle Fans in den „Prügelbeutel“ geworfen, der aktive Spieler zieht blind einen heraus. Dieser Fan wird der Kneipe verwiesen und muss sich nun auf dem Marktplatz tummeln.

 

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Am Ende einer Runde können die Barden 3 nicht verwendete Tricks für ein Trinkgeld eintauschen und dann wird auf 6 Karten gezogen. Wenn ein Barde 5 Trinkgelder und mindestens einen Fans in 5 verschiedenen Kneipen hat, endet das Spiel nach dieser Runde und der Spieler mit den meisten Fans und dem größten Reichtum darf sich mit der Bardenkrone schmücken.

 

Die Instrumente

 

Das Spielmaterial ist gleichzeitig Höhepunkt und Tiefpunkt von KING OF ALL BARDS. Die Komponenten sind hochwertig: dicke Pappmarker mit wunderschönem und knalligem Artwork, Holzmarker, schöne Würfel, Plastik-Trinkgeld und ein hochwertiger Beutel. Wirklich schick. Die Karten sind solide, aber nicht herausragende Qualität, sodass ich meine in transparente Hüllen gesteckt habe, aber das ist kein Muss.

Das Spiel kommt in dieser Version sowohl komplett mit deutschen UND englischen Komponenten daher. Einzig die Song-Karten sind nicht übersetzt worden – und ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch besser so ist. Denn das ist leider der Makel an KING OF ALL BARDS: Die Übersetzung ist... unglücklich und nicht sauber. Darüber hinaus ist das Regelheft leider extrem unübersichtlich. Oft hat man einen einzigen Textblock auf der Seite.

 

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Dabei ist nicht alles Regeltext, dazwischen befinden sich witzig gemeinte Sprüche und Dialoge von den Charakteren. Nette Idee aber zum einen sprachlich nicht gelungen, zum anderen stören sie das Layout auch sehr. Denn außer dem Charakternamen und einem kleinen Portait am Rand hebt sich der Text nicht vom normalen Regeltext ab. Das macht ein von sich aus nicht herausragendes Regelheft leider extrem unübersichtlich. Ob der Humor gelungen ist, ist sicherlich Ansichtssache. Hier hoffe ich auf eine gründliche Überarbeitung, hier liegt noch viel Potential.


KING OF ALL BARDS macht vieles richtig: eine tolle Produktion (wenn man vom nicht so gelungenen Regelheft absieht), witzige Charaktere mit viel Persönlichkeit und ein schnelles, unkompliziertes Spiel. Wirklich viel Tiefgang bietet es nicht, es ist bewusst leichte Kost.

Dass die Song-Karten nicht nur mit Symbolen aufwarten, sondern dass jede eine Parodie eines relativ aktuellen Hits darstellt, finde ich an sich wirklich großartig und regt zu übertriebenen Gesangseinlagen an (die komplett optional sind). Leider geht bei den Parodien die Schere weit auseinander: Wenn der dicke Kiro „Fry me a liver“ („Brat mir 'ne Leber“) singt und damit Justin Timberlakes „Cry me a river“ parodiert, ist das großartig. Wenn der schmalzige Slav dagegen „I'm hexy and I know it“ anstimmt, dann hakt diese Parodie auf LFMAOs „I'm sexy and I know it“ auf allen Ebenen („hexy“ wird als Konglomerat aus „hot“ und „sexy“ erklärt). Etwas schade, aber dafür, dass es sich hier um komplett schmückendes Beiwerk handelt, kann man nicht groß meckern.

 

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Das Setting finde ich mehr als gelungen. Es ist nicht das 843ste dröge aussehende, aber dafür historisch akkurate Mittelalter-Spiel. Es ist auch nicht das 210318te generische Fantasy-Spiel. Es ist ein eigenes, sehr farbenfrohes Setting mit einem Thema, das in Brettspielen viel zu wenig Beachtung findet. Und die Begeisterung für Musik wird deutlich.

Nett ist auch, dass in den Regeln verschiedene Links für eine KING OF ALL BARD-Playlist mit den passenden Liedern zu finden sind.

KING OF ALL BARDS ist absolut glückslastig. Man kann seine Tricks und Lieder noch so gut planen - wenn man Würfelpech hat, sieht man am Ende alt aus. Wer jedoch einen leichten, stimm- und stimmungsvollen Einstieg oder Absacker in einen (vielleicht feucht-fröhlichen) Spieleabend sucht, macht mit KING OF ALL BARDS nichts verkehrt. Mitsingen sollte aber erwünscht sein.

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

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Tags: 3-6 Spieler, 45 Minuten, Würfelspiel, Kartenspiel

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