Test | Imperium Legends

Test | Imperium Legends

Die Vergangenheit zog die Menschheit schon immer in ihren Bann. Die Faszination untergegangener Zivilisationen und die Mysterien ihrer Kulturen, die vielleicht nie an das Tageslicht gelangen werden. All das war schon der Zündstoff für viele Bereiche der Popkultur, jedoch scheint es nicht an Zugkraft zu verlieren. „Imperium Legends“ geht hier einen Schritt weiter und lässt Spielgruppen die Kontrolle über mythische oder legendäre Zivilisationen übernehmen und ihr Epos bei eigenem Leib durchleben. Aber wie lässt sich das Gefühl der Geschichte einer ganzen Zivilisation in den begrenzten Rahmen eines Kartenspiels pressen?

 

imperium legends info

 

Wir haben "Imperium Legends" selbst gekauft. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung!

Hinweis: Diese Spiel ist 2022 als deutsche Version bei Giant Roc erschienen.

 

 

Darum geht es im Spiel!

In „Imperium Legends“ übernehmen Spielgruppen die Rolle von vergangenen Zivilisationen, die zu einem großen Teil den großen Mythen und Legenden der Geschichte entspringen. Während des Spiels durchlaufen die Zivilisationen eine Entwicklung vom barbarischen Dorf bis hin zum ausgebauten Weltreich, während sie sich in stetiger Konkurrenz zu ihren Nachbarreichen befinden. Der Kernmechanismus ist eine Mischung zwischen Drafting und Deckbuilding. Personen können Karten aus einer zentralen Auslage ihrem Kartenstapel hinzufügen, wobei sie dabei eine Balance zwischen Karten, die sie voranbringen und Karten, die sie behindern, erreichen müssen. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Mechaniken, die Karten aus dem eigenen Kartenstapel permanent oder temporär entfernen, damit gewisse Karteneffekte ausgelöst werden können oder andere Karten häufiger gezogen werden.

 

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Anders als bei anderen Deckbuilding-Spielen ist es das Ziel der Spielgruppe ihre eigenen Kartenstapel so oft wie möglich zu durchlaufen. Umso öfter ihnen das gelingt, desto mehr Karten ihres eigenen Entwicklungsstapels werden dem Hauptkartenstapel hinzugefügt. Diese Karten stellen wichtige Momente in der Geschichte der eigenen Zivilisation dar und bestimmen den Übergang, ab welchem eine Zivilisation zur Großmacht wird. Ist dieser spezielle Kartenstapel nämlich aufgebraucht wird eine Zivilisation zur Großmacht und erhält ab diesem Zeitpunkt den Zugriff auf neue Kartenarten, verliert zeitgleich aber Zugriff auf andere Karten, die sich bereits im eigenen Kartenstapel befinden (insgesamt gibt es zwei dieser Stapel. Einen für die Zeit vor und einen für die Zeit nach dem Aufstieg zur Großmacht).

Personen müssen aber immer genau aufpassen, was sie mit ihrem Zug anstellen. Kaufen sie unüberlegt Karten der Auslage oder sind sie zu gierig, steigt die Unruhe im eigenen Reich, was anhand von „Revolte“-Karten angezeigt wird (diese Karten erhalten Personen zum Beispiel beim schnellen Kauf von Karten der zentralen Auslage und bringen am Ende des Spiels Minuspunkte).

Zusätzlich hilft die Planung bei der effektiven Nutzung des eigenen Spielzuges. So kann der Entwicklungsstapel nur einmal pro Zug aktiviert werden (ist der Kartenstapel also zwei Mal in einem Zug aufgebraucht sind das verschwendete Ressourcen) und auch die richtige Reihenfolge der auszuspielenden Karten ist von großer Bedeutung, da jeder Spielzug einen großen Einfluss auf den Verlauf des Spiels haben kann.

 

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Das übergeordnete Ende des Spiels tritt ein, wenn eine von etlichen unterschiedlichen Siegkonditionen erreicht wurde. Die Hauptkonditionen sind, dass eine Person den eigenen Entwicklungsstapel vollständig entwickelt hat, keine Karten mehr im Hauptkartenstapel des Marktes sind, sobald die letzte Karte des speziellen Schicksalskartenstapels entwickelt wurde oder wenn es keine „Revolte“-Karten mehr zu verteilen gibt. Tritt eine dieser Konditionen ein, kann jede andere Person noch einen Spielzug ausführen, bis das Spiel endet. Nur bei der letzten Kondition, der „Revolte“, endet das Spiel sofort und eine spezielle Auszählung beginnt, bei der alle anderen Siegfaktoren ignoriert werden und nur noch die eigenen „Revolte“-Karten gezählt werden. Hier gewinnt nun die Person mit den wenigsten „Revolte“-Karten im Kartenstapel, während die anderen Reiche vom Widerstand und der Wut des eigenen Volkes niedergebrannt werden.

Ein sehr großer Faktor bei „Imperium Legends“ sind die einzelnen Völker. „Imperium Legends“ setzt in seinen Völkern auf eine sehr tiefgreifende Asymmetrie. Jedes Volk fühlt sich einzigartig an, was unter anderem daran liegt, dass es zu fast jedem Volk eigene Sonderregeln, Siegbedingungen und Änderungen der Grundregeln gibt, die zu beachten sind. Der Wiederspielwert soll damit insbesondere im Solo-Modus hochgehalten werden. Zusätzlich besitzt der Solo-Modus einen Kampagnenmodus, bei dem Personen mit einer ausgewählten Fraktion alle anderen Fraktionen der Reihe nach besiegen müssen, um zum einen wahren Großreich ausgerufen zu werden.

 

 


 

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Von Vornherein muss gesagt werden, dass unter der IMPERIUM-Reihe zwei miteinander kombinierbare Spiele herausgegeben worden sind. „Imperium Legends“ und „Imperium Classics“. Da ich persönlich nur „Imperium Legends“ spielen konnte, bezieht sich diese Rezension exklusiv auf diesen Teil. Da zwar die grundlegenden Kernmechaniken des Spiels identisch sind, unterscheiden sich die spielbaren Völker so fundamental voneinander, dass sich das Spiel vollkommen anders anfühlt, je nach teilnehmenden Fraktionen.

 

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Der große Elefant im Raum gilt für beide dieser Spiele: die extreme Lernkurve. „Imperium Legends“ ist kein Spiel, dass sich „mal eben“ lernen und locker von der Hand spielen lässt. Während der Aufbau schnell geht und auch ein paar grundlegende Mechaniken schnell verstanden werden, ist insbesondere das erste Spiel sehr langsam und kann sehr ermüdend sein. Ursache dessen ist die Anleitung. Der Regeltext von „Imperium Legends“ verlässt sich sehr stark auf die Schlagwörter, mit denen die Karten versehen wurden. So wird zwar der Aufbau und das Ende des Spiels penibel genau erklärt, jedoch bricht der Regeltext im Mittelteil abrupt ab und verweist auf ein langes Glossar der unterschiedlichen Sonderregeln. In Relation gesetzt sind das ungefähr 13 Seiten Einführung und Aufbau und 10 Seiten Glossar mit Begriffen und Schlagworten, was das Lernen der Regeln sehr schwierig und die Lernkurve damit sehr hoch macht.

Bei mir kam erschwerend hinzu, dass „Imperium Legends“ sich an erfahrenere IMPERIUM-Spielgruppen richtet, da die hier enthaltenen Völker allesamt schwieriger zu spielen sind, als es zum Beispiel bei den Völkern von „Imperium Classics“ der Fall gewesen wäre. Durch die ganzen Sonderregeln und einzigartigen Regeländerungen der Völker war das Regelbuch während meiner Spielrunden nicht eine Sekunde geschlossen, da ich permanent überprüfen musste, wie welcher Begriff nun auf mein eigenes Volk anzuwenden ist. Gleichzeitig fühlte sich „Imperium Legends“ sehr strategisch und interessant an, sobald ich eine kleine Phase des Spielflusses erleben konnte. Besonders die Faszination der eigenen Zivilisation vermittelt das Spiel sehr gut und macht durchaus Lust auf mehr. Müsste ich das Spielgefühl mit etwas vergleichen, dann wäre es wohl ein spannender Action-Film, der an den wichtigsten Stellen von viel zu vielen Werbepausen unterbrochen wird, die die Zuschauenden immer wieder aus ihrer Immersion ziehen und das ganze Erlebnis viel zu lang strecken.

 

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Aus dem Grund der Zugänglichkeit wäre es für mich keine angenehme Vorstellung das Spiel mit mehr als zwei Personen zu spielen und schon das könnte, ob der einzigartigen Völker, eine enorme Downtime während des Spiels mit sich bringen. Am besten spielt sich „Imperium Legends“ Solo. Das enthaltene Solo-Regelbuch birgt enormes Potential für viele ausführliche Solo-Partien. Da der Solo-Modus zusätzlich von der Asymmetrie profitiert bieten sich schier unendliche Kombinationsmöglichkeiten, die sich immer wieder neu und frisch anfühlen. Spielgruppen, die sich von steilen Lernkurven und nicht ganz idealen Regelbüchern nicht abschrecken lassen, können „Imperium Legends“ sicherlich einmal genauer betrachten. Es sollte aber beachtet werden, dass bei Interesse definitiv „Imperium Classics“ zuerst betrachtet werden sollte, bevor es zu „Imperium Legends“ weitergeht. Wer sich ein leichtes Spiel für Zwischendurch erhofft, das interessante Spielrunden für mehrere Personen beinhaltet, sollte die Suche aber wohl leider fortsetzen. Die enorme Downtime und die schier unmögliche Aufgabe, das Spiel und alle Sonderregeln der gegnerischen Fraktionen verständlich zu machen, ohne den gesamten Abend damit zu verbringen, ersticken das Potential auch für erfahrene Expertengruppen vollständig.

 

imperium legends wertung

 

 

 

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Tags: 1-4 Personen, Drafting, Deckbau, Zivilisation

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