Szene // Mr. & Mrs. Brettballett

SZENE// Mr. & Mrs. Brettballett

Heute machen wir wieder einen kleinen Ausflug in die wunderbare Welt der Brettspielszene und möchten euch zwei Personen vorstellen, die mit großer Leidenschaft über ihr Hobby berichten, Spiele vorstellen aber auch über den Tellerrand hinausschauen.

Die Rede ist von Sven und Katharina oder wie ich sie betitelt habe: Mr. & Mrs. Brettballett. Dies ist an der Stelle nicht ganz korrekt, da beide ihre eigenen Accounts haben. In der Wahrnehmung der Community werden die beiden jedoch auch mit diesen Namen in Verbindung gebracht.

Sven, Jahrgang 1978 ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und betreibt unter Brettballett einen Instagram Account als auch einen YouTube-Kanal.

Katharina, Jahrgang 1985 ist in Niedersachsen geboren und unter MrsBrettballett auf Instagram zu sehen.

Seit über 15 Jahren bilden die beiden ein Paar und haben in jüngerer Vergangenheit begonnen gemeinsam über ihr Hobby zu berichten. Mir sind die beiden vor allem durch ihre Formatvielfalt und sehr natürliche und authentische Art ihrer gemeinsamen Videos aufgefallen. Dazu kommt noch die besondere Location (von Sven auch „man cave“ genannt) und der teils extravagante Kleidungsstil (Verkleidungen), was ich absolut positiv verstanden wissen möchte.

In die Zeit zwischen der Interviewanfrage und dessen Veröffentlichung fiel auch die Veränderung beim YouTube Kanal von Hunter & Cron, der nun unter Hunter & Friends fortbesteht. Seitdem ist Sven auch dort regelmäßig als „Freund“ in den Videos mit Hunter zu sehen.

Es freut mich sehr, dass sich die beiden die Zeit genommen haben, um etwas von ihrer Welt der Brettspiele zu berichten.

 

Könnt ihr euch noch zurück erinnern, wann es bei euch angefangen hat mit dem Hobby Brettspiele?

Sven: Ich spiele eigentlich mein ganzes Leben schon Brettspiele. Ebenso spiele ich noch Pen & Paper Rollenspiele. Aber ich glaube, dass ich in jeder Phase meines Lebens gespielt habe.

Kat: So richtig angefangen vermehrt zu spielen war bei mir im Jahr 2017 und seit 2018 deutlich mehr, da wir seitdem unsere gemeinsame Brettspielrunde haben, die wir leider seit Corona deutlich weniger sehen können.

 

Ihr seid beide sowohl auf Instagram als auch auf Youtube zu sehen. Wann und wie kam es zu der Überlegung durch social media über euer Hobby zu berichten?

Sven: Ich habe schon lange vorher diverse Kanäle konsumiert (was ich auch heute noch tue). Dabei ist mir oft aufgefallen, dass viele Kanäle immer über dieselben Neuheiten sprechen und oftmals dasselbe ins Bild halten. Das fand ich persönlich sehr schade, da es so viel mehr und auch einige Perlen gibt. Außerdem kann ich mich nicht davon freisprechen, dass ich eine kleine Rampensau bin und gerne Dinge erzähle – das bringt es wohl auch mit, wenn man seit inzwischen 30 Jahren beim Pen and Paper der Spielleiter ist. Last but least habe ich, bevor ich ins Marketing gewechselt bin, lange Jahre als Journalist gearbeitet und in dem Bereich mein Volontariat gemacht.
Ich mag es Teil einer Berichterstattung zu sein und die Zuschauer mit interessanten Infos zu versorgen – mein YouTube-Kanal war damit ein Stück weit der Weg zurück in meine berufliche Vergangenheit.

Kat: Ich habe im Herbst 2019 verstärkt angefangen mit Sven über Brettspiele zu berichten, zeitgleich habe ich auch meinen Instagram Account erstellt. Am Anfang war ich nur monatlich bei Videos dabei, das wird aber immer mehr. Bei Instagram poste ich selten täglich. Ich hatte einfach Lust auf den Austausch mit anderen Brettspielverrückten.

 

Wie viel Zeit nimmt euer social media Dasein in Anspruch?

Sven: Das ist schwer pauschal zu sagen, da es immer von dem Stress im Hauptjob abhängt. Vieles vermischt sich auch, denn die Spiele zu spielen ist ja auch Teil der Recherche, als aber auch Teil des Hobbys. Alles in allem würde ich aber schon so 10 Stunden die Woche mindestens schätzen.

Kat: Bei mir ist es etwas weniger, da ich bei deutlich weniger Youtube-Videos dabei bin. Jedoch sind meine meisten Bilder etwas zeitaufwendiger. Ich merke dann immer nur, wenn ich meinen Talk “MeepleDameBrett” mit Heike (Brettspielguru) über Zoom aufnehme, wie extrem zeitintensiv Youtube-Videos sind. Das Schneiden der Videos, dann noch teilweise die Probleme mit der Technik, Internet setzt aus, Ton funktioniert nicht und dann am Ende das Rendern des Videos und hochladen bei Youtube dauert bei manchen Videos fast den ganzen Tag.

 

Die Blogger- / YouTube-Szene wird immer größer. Versucht ihr euch bewusst in irgendeiner Form davon abheben zu können?

Sven: Ich glaube, dass jeder Blogger sich schon allein durch seine/ihre Person abhebt. Jeder Kanal ist dadurch einzigartig. Inhaltlich versuche ich viel den Fokus auf Themen zu legen, die nicht überall stattfinden – auch wenn ich mich davon natürlich nicht komplett freisprechen kann.

Ich verzichte aber dafür komplett auf sowas wie Regelerklärungen, sondern versuche oftmals kleine Projekte, unbekannte Kickstarter, etc. zu zeigen. Dazu bietet mein „Brett zum Sonntag“ ja inzwischen seit zwei Jahren jeden Sonntag ein Talk-Format mit mir Selbst über Dinge, die die Szene bewegen oder mich gerade beschäftigen.

Kat: Bewusst nicht, aber es passiert vielleicht einfach automatisch. Ich poste gerne Bilder mit mir in Verkleidung, passend zum jeweiligen Spiel. Ich mag es, dass ich eine Frau in der Brettspielszene bin. Davon gibt es leider noch immer viel zu wenige. Mit unserem Format “MeepleDameBrett” versuchen wir auch vermehrt die Frauen anzusprechen, die zwar gerne Spielen, aber nicht JEDEN Brettspielbegriff kennen bzw. im Alltag nutzen.

 

Wie beurteilt ihr die deutsche Blogger-/ YouTube-Szene zum Thema Brettspiel und deren Entwicklung?

Sven: Prinzipiell freue ich mich darüber, dass die ganze Szene an sich wächst – das tut der Brettspielbranche gut. Ich freue mich, wenn neue Blogger/Youtuber andere Facetten und Sichtweisen in die Szene bringen. Viele stellen sich das allerdings auch zu einfach vor und denken, dass sie nach kürzester Zeit die 1.000 Abos knacken müssen und stellen dann doch fest, dass da einiges an Arbeit hinter steckt. Diese Kanäle liegen dann schnell wieder brach.
Und wie es nun mal im Internet ist: Vor allem auf Instagram sieht man häufig, dass einige Kanäle sehr sprunghaft wachsen. Wenn man in der Digitalbranche arbeitet, dass „durchschaut“ man schnell, dass da vermutlich mehr Euros, als eigener Einsatz geflossen sind, damit der Kanal „wächst“.
Letztendlich muss das natürlich jeder mit sich selbst ausmachen – ich finde aber, dass das immer „ein Geschmäckle“ hat.

Kat: Ich freue mich über jeden Blogger, der durchhält und sein Ding macht. Ich persönlich folge großen Accounts, kleineren Accounts, welchen, die extrem durchgestylte Fotos posten oder ganz einfach den Spielemoment festhalten. Ich finde die Abwechslung wichtig. Genau wie Sven werde ich immer etwas misstrauisch bei Accounts, die von Anfang an extrem viele Likes oder Follower haben. Insbesondere wo andere für jedes Like/ jeden neuen Follower hart “arbeiten” müssen. Für mich persönlich wäre das nichts, weil man kann dann ja gar nicht “stolz” auf seine geleistete Arbeit sein.

 

Welche Formate bietet ihr alles an?

Sven: Wir versuchen ein buntes Potpourri an Themen zu bieten. Rezensionen, Toplisten und das wöchentliche Brett zum Sonntag. Ebenso biete ich mit den Fivelights auch immer mal einen Blick über den Tellerrand, wo auch mal Themen vorkommen, die nichts mit Brettspiel zu tun haben, wie bspw. Whisky, der eine weitere Leidenschaft von mir ist.

Kat:  Sven und ich machen einmal im Monat das “Hand am Brett”, wo wir gemeinsam über die gespielten Brettspiele des vergangenen Monats sprechen. Mit “MeepleDameBrett” habe ich einen Talk auf Brettballett, wo wir uns mit der weiblichen Sichtweise auf Brettspielthemen unterhalten.

 

Welche Formate schweben euch noch für die Zukunft vor, welche Pläne habt ihr in Sachen Brettspiele?

Sven: Schwer zu sagen. Klingt abgedroschen, aber ich folge dem Prinzip: Carpe Diem!
Mir gibt der Kanal, besser gesagt die Community, eine Menge zurück und ich genieße vor allem die Kommunikation mit den Usern enorm, denn das direkte Feedback finde ich enorm wertvoll – deshalb versuche ich auch wirklich jeden Kommentar zu lesen und im Idealfall darauf einzugehen.
Seit kurzem bin ich Teil von Hunter und Friends, was mir ebenfalls sehr viel Spaß macht.
Ich habe, seit ich den Kanal habe, so viele tolle und nette Menschen kennengelernt und mir wurde sehr viel zurückgegeben. Das ist mehr, als ich anfangs je erwartet hätte.

Kat: Geplant ist noch nichts; das fällt uns immer relativ spontan ein. Ich finde den Austausch am wichtigsten und die ganzen tollen Menschen, die ich durch mein Hobby, im Internet kennenlernen durfte.

 

Ist es für euch erstrebenswert von euren social media Kanälen leben zu können?

Sven: Auf keinen Fall! Ich gehe sogar so weit, dass ich das NIEMALS möchte. Der Spaß an dem Kanal liegt vor allem auch darin, dass ich hier zu 100% unabhängig bin und nicht die Not habe, dass ich damit Geld verdienen muss.

Jegliche Einnahmen, die ich über den Kanal generiere, gehen auch postwendend in einen guten Zweck. Ich hatte für Weihnachten auch einen Charity-Stream geplant, wo ich Spiele aus meinen Regalen verkaufen wollte und das gesamte Geld an die Kinderkrebshilfe spende.
Ich hatte das mit Thomas von BetterBoardGames (Grüße gehen raus!), Kat und einem Kumpel aus der Arbeit geplant, der die Regie übernimmt. Leider mussten wir dies aus Pandemiegründen verschieben.
Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben und sobald dies seriös möglich ist, holen wir das auch nach.

Kat: Nein!!! Brettspielen ist mein Hobby, nicht mein Beruf. Ich möchte am Ende nicht die Lust am Brettspielen verlieren.

 

Was macht ihr gerne außerhalb des Hobbys Brettspiele?

Sven: Wir reisen mit großer Leidenschaft, was natürlich aktuell nicht möglich ist. Da wir eine kleine Tochter haben, nimmt sie natürlich auch viel unserer gemeinsamen Zeit ein, was ich ebenfalls sehr genieße – der Brettspielnachwuchs wird also quasi direkt herangezogen.
Ansonsten spiele ich noch sehr begeistert Pen and Paper Rollenspiele (Cthulhu, Shadowrun, D&D, etc.) und habe ein großes Faible für Whisky, den ich auch sammle. Derzeit bastele ich an einem eigenen Whiskyzimmer im alt-englischen Jagdhausstil, was mir enorm viel Spaß macht.

Kat: Wie Sven schon geschrieben hat reisen wir gerne, spielen mit unserer Motte und machen Ausflüge (soweit es aktuell möglich ist). Ich lese noch extrem gerne, gucke Serien und Filme, treffe mich mit Freunden und ich LIEBE gutes Essen.

 

Wie viele Spiele habt ihr in eurer Sammlung aktuell?

Sven: Puh, ich habe irgendwann aufgegeben zu zählen. Grob geschätzt denke ich, dass ich so bei 2.500 – 2.800 Spielen bin.

 

Wie viele neue Spielen kommen jährlich dazu, wie viele verlassen die Sammlung?

Sven: Definitiv zu viele, wenn ich das in Relation zu dem Platz sehe, den ich noch habe.
Ich haue immer mal wieder Spiele raus, die mir gar nicht gefallen haben, kann das aber nicht beziffern. Wenn der Charity-Stream stattfinden kann, hoffe ich aber, dass mich da einige Dutzend Spiele verlassen werden.

Kat: Wir sollten daran arbeiten mehr Spiele, die uns nicht gefallen, zu verkaufen.

 

Wie beurteilt ihr das vergangene Brettspieljahr?

Sven: Trotz Pandemie fand ich das Brettspieljahr 2020 wirklich gut. Ein MicroMacro brachte eine tolle Innovation, die mich total überrascht hat, denn ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spaß macht. Auch ein Arnak war großartig. Dabei will ich nicht sagen, dass der Jahrgang herausragend war, aber definitiv war er auf einem guten Niveau.

Kat: Trotz allem finde ich, dass es ein erfolgreiches Brettspieljahr war. Insbesondere in der Hinsicht, dass wir einige echt tolle Menschen kennenlernen durften.

 

Was erwartet ihr für das aktuelle Jahr in Sachen Brettspiele?

Sven: Natürlich hoffe ich auf viele, gute Spiele. Mit Dune Imperium und Red Rising habe ich auch schon erste echte Highlights 2021. Man muss jetzt mal abwarten, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, denn man hört von vielen Verlagen schon, dass ihnen der aktuelle Verlust von Messen und Conventions zu schaffen macht. Viele Spiele können nicht vernünftig getestet und auf Conventions an den Mann gebracht werden. Aktuell sieht es ja auch noch fragwürdig aus, ob das 2021 noch besser wird. Ich bleibe gespannt, aber ich denke, dass wir auf jeden Fall keine Langeweile bekommen werden, was das Hobby Brettspielen angeht – und im Zweifel: Es liegen noch viele viele gute Titel auf dem Pile of Shame.

 

Zu guter Letzt. Ergänzt bitte folgende Fragen / Aussagen:

Videospieler sind im Vergleich zu Brettspielern…genau solche Nerds, die nur kein Brett aufbauen müssen.

Für ein Brettspiel würde ich maximal ausgeben…ganz viele Euros, wenn ich wirklich gehooked bin. Wenn ich an mein KD:M oder Cthulhu Wars denke, dann bin ich da schon hart eskaliert.

Am liebsten spiele ich Brettspiele mit…Menschen die ich mag und die mir das Hobby noch mehr versüßen, weil gemeinsames Spielen einfach ein Stück Lebensqualität ist.

Am meisten schätze ich an Kat…dass ich mich seit 15 Jahren zu 110% auf sie verlassen kann und sie meinen ausgeprägten Nerdismus duldet und unterstützt. Das hat zur Folge, dass ich auch nach 15 Jahren noch immer denke: Fuck, was hast du eine attraktive, wunderbare und coole Frau!

Am meisten schätze ich an Sven…der wird immer cooler, wenn das überhaupt noch möglich ist. Mir gefällt es, dass wir mit dem Brettspiel ein gemeinsames Hobby haben.

Tags: News

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