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TEST // NORIA

TEST // TEST

NORIA ist eines jener Spiele, auf die wir uns im Vorfeld sehr gefreut haben. Das Thema hat uns neugierig gemacht, das Spielmaterial wusste zu überzeugen und das Aktionsrad als Kernmechanismus des Spiels machte Hoffnung auf ein innovatives Expertenspiel, das wir noch sehr oft spielen werden. Zweifellos trug auch der Hype um Sophia Wagner und NORIA zur SPIEL 2017 zu dieser Erwartungshaltung bei.

Diese Erwartung konnte NORIA nicht erfüllen. Das Aktionsrad ist ein sehr interessanter Ansatz, von dem wir hoffen, dass er auch in anderen Spielen Verwendung finden wird. Leider hat sich die Autorin zu sehr auf diese Mechanik verlassen, denn im Übrigen bietet NORIA wenig mehr als konventionelles Rohstoffe sammeln und verwerten. Das ist nicht sonderlich spannend, da sich auch die Interaktion zwischen den SpielerInnen in Grenzen hält.

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Die kleinen Stellschrauben wie zum Beispiel die Extrakosten beim Besuch bereits besetzter Inseln genügen nicht, um eine wirkliche Konkurrenzsituation zu schaffen. Die Idee, in der Politikphase die Maximalpunktzahl der Pfade dauerhaft reduzieren zu können, empfanden wir sogar als erhebliches spielmechanisches Problem, da es zu Situationen kommen kann, in denen mehrere SpielerInnen gegen die/den Führende(n) arbeiten und diese(n) mit wenigen Aktionen nahezu vollständig aus dem Spiel nehmen.

Für eine strategische Neuausrichtung ist NORIA nicht flexibel genug, so dass ein Sieg in diesen Fällen nahezu unmöglich ist. Das liegt auch daran, dass am Ende des Spiels ausschließlich die Projektpfade Punkte einbringen. Flugschiffe (die der besseren Rohstoffbeschaffung dienen), Fabriken und mühsam produzierte Waren sind nichts mehr wert. Die Bemühungen um die Politiker spiegeln sich ebenfalls ausschließlich in den Punktwerten der Projektpfade wieder. Diese Werte gelten allerdings für alle SpielerInnen und spiegeln den Einsatz einzelner SpielerInnen somit nur sehr bedingt wieder. Dies wurde in unseren Spielrunden einstimmig als frustrierend und wenig belohnend bewertet.

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Während das Spielmaterial einen sehr positiven Eindruck hinterlässt, stellt die Anleitung für uns aufgrund der Gliederung und des Layouts einen weiteren Problempunkt dar. Insbesondere die Erklärung der einzelnen Spielmechaniken vor der Erläuterung des Spielablaufs erschwerte das Regelstudium. Das ist schade, da die betreffenden Spielkonzepte bei weitem nicht so komplex sind, dass zum Verständnis des Spielablaufs eine vorherige Erklärung erforderlich gewesen wäre. Schließlich konnte NORIA im Zweipersonenspiel nicht überzeugen, da der Aspekt der mangelnden Interaktion hier noch deutlicher zum Vorschein kommt. Es sollten sich daher zumindest drei Personen für eine Partie zusammenfinden.

Im Ergebnis können wir für NORIA keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Der Aktionsradmechanismus ist interessant und zieht die Neugier der SpielerInnen für einige wenige Partien auf sich. Das Spielerlebnis sinkt mit weiteren Partien jedoch deutlich.

 

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Bilder zum Spiel

Tags: Experten, Steampunk, 2-4 Spieler, Eurogame

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