CO2 // Erster Eindruck des Spiels

CO2 // Erster Eindruck des Spiels

Wir hatten am Wochenende bei einem Spieletreff CO2 auf dem Tisch. Das Spiel von Vital Lacerda der für spielerische Schwergewichte wie „Lisboa“, „Kaban“ oder „The Gallerist“ bekannt ist hatte schon 2012 CO2 erdacht und 2018 eine neue Version per Kickstarter veröffentlicht. Das Spiel ist kooperativ als auch gegeneinander spielbar und die Spielegruppe hatten sich für den Wettstreit entschieden. Eine Partie war zu dritt und eine zu viert gespielt. Auch nach mehr als fünf Stunden und zwei Partien ging der Planet unter und das Spiel hatte gewonnen. Wie konnte es so weit kommen?

 

Darum geht es im Spiel

co2 01In den 1970er Jahren sahen sich die Regierungen der Welt einem beispiellosen Energiebedarf gegenüber, und überall wurden umweltfreundliche Kraftwerke gebaut, um diesen Bedarf zu decken. Jahr für Jahr nimmt die von ihnen verursachte Verschmutzung zu, und niemand hat etwas getan, um sie zu verringern. Jetzt sind die Auswirkungen dieser Verschmutzung zu groß geworden, und die Menschheit beginnt zu erkennen, dass wir unseren Energiebedarf durch saubere Energiequellen decken müssen. Unternehmen mit Expertise in sauberer, nachhaltiger Energie sind aufgerufen, Projekte vorzuschlagen, die die benötigte Energie liefern, ohne die Umwelt zu belasten. Die Regionalregierungen sind bestrebt, diese Projekte zu finanzieren und in ihre Umsetzung zu investieren.

Wenn die Verschmutzung nicht gestoppt wird, ist es für uns alle vorbei.

co2 07Im Spiel CO₂ ist jeder Spieler CEO eines Energieunternehmens, das auf Anfragen der Regierung nach neuen, grünen Kraftwerken reagiert. Ziel ist es, die Zunahme der Umweltverschmutzung zu stoppen und gleichzeitig die steigende Nachfrage nach nachhaltiger Energie zu decken - und natürlich davon zu profitieren. Sie benötigen genügend Fachwissen, Geld und Ressourcen, um diese sauberen Kraftwerke zu bauen. Energiegipfel werden das globale Bewusstsein fördern und es den Unternehmen ermöglichen, ein wenig von ihrem Fachwissen auszutauschen und gleichzeitig noch mehr von anderen zu lernen.

Unter CO₂ beginnt jede Region mit einer bestimmten Anzahl von CO2-Emissionszertifikaten (CEPs), die ihr zur Verfügung stehen. Diese CEPs werden von den Vereinten Nationen gewährt und müssen immer dann ausgegeben werden, wenn die Region die Energieinfrastruktur für ein Projekt oder den Bau eines Kraftwerks für fossile Brennstoffe installieren muss. CEPs können auf einem Markt gekauft und verkauft werden, und ihr Preis schwankt im Laufe des Spiels. Sie werden versuchen wollen, die Kontrolle über die CEPs zu behalten.

Geld, CEPs, grüne Kraftwerke, die Sie gebaut haben, UN-Ziele, die Sie erreicht haben, Unternehmensziele, die Sie erreicht haben, und Fachwissen, das Sie erworben haben, geben Ihnen Siegpunkte (VPs), die den Ruf Ihres Unternehmens repräsentieren - und den besten Ruf zu haben, ist das Ziel des Spiels.... zusätzlich zur Rettung des Planeten natürlich.

Diese neue, völlig neu gestaltete Ausgabe von CO₂ enthält eine völlig neue Ikonographie, ein völlig neues Regelwerk mit vielen 3D-Bildern zum einfachen Verständnis der Regeln, ein ausgewogeneres Gameplay, ein neues Veranstaltungsdeck, verbesserte und optimierte Mechanismen und verbesserte Holzkomponenten für die Kraftwerke anstelle der Kartonmarken in einem Spiel mit kürzerer Spielzeit. Diese Version bietet auch eine kooperative Spielweise sowie ein zielorientiertes Solospiel.

meinung zum spiel DK

Dies ist natürlich alles nur kein endgültiges Fazit. Es mag Spiele geben, die sich schon nach zwei Partien so darstellen, wie sie sich nach zehn Partien anfühlen – CO2 ist das sicher nicht!

Tatsächlich war das Spiel erfrischend „einfach“ für KennerspielerInnen, die schon einmal Lisboa auf dem Tisch hatten. Die Aktionen sind gut heruntergebrochen und ziehen das Spiel nicht unnötig in die Länge. Erfrischend kann auch das schnelle Ende interpretiert werden, denn ist nach zwei oder drei Dekaden Schluss und das Spiel hat gewonnen.

Rechnerisch es so, dass wenn man kein Glück hat und dann auch noch Pech hinzu kommt das Spiel vom Start weg nicht zu schaffen ist. Das liegt an den zufällig gezogenen Kohle-Kraftwerken. Die Drecksschleudern haben einen Wert zwischen 20 und 40. Kumuliert ergibt das auf alle Regionen der Welt einen Unterschied von bis zu 50% als Anfangsbedingung. 6x40 sind 240 als Startwert. Wer so startet (das Spiel endet bei einem CO2 Wert von 500!) hat keine Chance. Auch bei einem Wert jenseits der 200 scheint das in dem konkurrierenden Spielmodus nicht zu schaffen zu sein.

Wenn die Spieler allen Egoismus vergessen schaffen sie vielleicht drei Kraftwerke zu ersetzen, was maximal einem Wert von 120 entspricht. Kommen nun in der neuen Dekade weitere sechs Drecksschleudern hinzu, dann sind 120 übrig und bis zu 240 können erneut hinzukommen. Nach der zweiten Dekade ist dann Schluss, weil die 500 gerissen werden.

Bei dem Regelstudium fiel auf, dass die Regeln bezüglich der zu kaufenden CO2-Zertifikate undeutlich und missverständlich ist. Ein Vergleich zwischen englischer und deutscher Anleitung war nicht valide.

Insgesamt hinterließ das Spiel trotz Spielfehler (der Anleitung geschuldet) und zweier Niederlagen einen guten Eindruck. Nach der zweiten Partie zeigte sich, dass das Spiel auch mich vorführt. Ich war zu sehr auf die eigene Führung aus (die dann nichts Wert war) und hätte die Niederlage zumindestens eine Dekade aufschieben können. Es gab also nachvollziehbare Gründe, warum wir gemeinsam verloren haben. Ich war zu egoistisch… das macht die Niederlage zum Sieg, denn es regt – wenn man reflektieren kann - dazu an sein eigenes Verhalten zu überdenken.

Damit schafft CO2 etwas, was bisher kein Spiel geschafft hat – es regt zu moralische Überlegungen an und es verdeutlicht wie wichtig es ist schnell zu handel.
Das ist mehr als ich erwartet habe und lässt mich mit einem Staunen zurück!

Bilder zum Spiel

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