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REPORT // Kickstarter Verlagsfrust mit Hall or Nothing Games

REPORT // Kickstarter Verlagsfrust mit Hall or Nothing Games

Am 13. Februar haben wir einen Meinungs-Artikel zum Thema Schwerkraft Verlag und dem Ausstieg aus der Lokalisierung zu „Lifeform“ , das von Hall or Nothing Games auf Kickstarter erfolgreich gestartet wurde veröffentlicht. Jetzt haben wir dank zweier Quellen einen neuen Einblick in diesen Fall gewinnen können, der durchaus überraschendes zu Tage fördert. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass der Schwerkraft Verlag triftige Gründe gehabt haben muss, aus der Lokalisation auszusteigen, doch belegen konnten wir das bislang nicht.

 

Seit wir Zugang zu zwei Quellen haben, sieht das anders aus. Nun ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild, das darauf hinweist, dass Hall or Nothing Games einen großen Anteil am Scheitern hat. Überraschend: Der Grund liegt nicht bei „Lifeform“, sondern bei „Gloom of Kilforth“, das gerade ausgeliefert wird. Die Produktion lief dermaßen aus dem Ruder, das der deutsche und der französische Verlag die Geschäftsbeziehung zu „Hall or Northing Games“ beendeten.

Die Quellen

Zum einen wendet sich der Schwerkraft Verlag per E-Mail an die Unterstützer von „Gloom of Kilforth“, das ebenfalls in Kooperation mit Hall or Nothing Games entstanden ist. Zum anderen äußerte sich der französische Verlag Nuts Publishing in ihrem Blog zu den Arbeitsumständen mit dem englischen Verlag. Mit den beiden Quellen lässt sich ein guter Blick hinter die Kulissen werfen, der aufzeigt, wie der Alltag bei Verlagen aussehen kann, wenn es einmal nicht gut läuft. Ähnliche Situationen wurden brettspiel-news.de gegenüber auch schon von weiteren Verlagen geschildert, die bei anderen Lokalisationen anderer Kickstarter Projekte massive Probleme hatten. 

Das sind die Inhalte

Der französische Verlag Nuts Publishing hatte sich mit „Gloom of Kilforth“ erstmalig eine lokale Version eines Kickstarter finanzierten Spiels angenommen. Die gemachten Erfahrungen reichten nun aus, um vorerst keine Aktivitäten mehr mit Kickstarter-Spielen zu starten. Was war passiert? Der erste und bis heute einzige Blog Artikel des Verlags beschäftigt sich mit dem Thema „Gloom of Kilforth“. 15 % der Unterstützer auf Kickstarter stammen aus Frankreich. Bei rund 3.000 Unterstützern macht das eine Auflage von gerade einmal 450 Exemplaren. Das ist erst einmal eine sehr geringe Auflage und bildet wirklich nur die Basis um die Kosten der Produktion zu decken. Was offensichtlich nicht eingeplant war, sind die „Verzögerungen, unangenehme Überraschungen und irreführenden Aussagen“ mit denen sich der französische Verlag herumschlagen musste.

Die Verzögerung kam dadurch zustande, dass die Druckdaten nur sehr verzögert weitergereicht wurden. So wurde die Anleitung des Spiels vier Mal überraschend überarbeitet. Nachdem dann die Produktion lief, erfuhr der Verlag, dass die Spielkarten ein weiteres Mal überarbeitet worden waren, ohne dass eine Information darüber versendet worden war. So gab es zwei Versionen. Die französische und eine zum Teil deutlich andere englische Version. Hall or Nothing Games meinte intern zu dem Thema nur, dass das Spiel sich gar nicht so sehr verändert habe und es keine „Gamebreaker“ bei dem Spiel gebe. Für Nuts Publishing war das ein „No go“, denn sie wollten ihren Kunden keine zweitklassige lokale Version anbieten, die sich vom englischen Original unterscheide. Zudem merkt der US-Verlag kritisch an, dass die Schuld für Verzögerungen per Pressemitteilung auf die internationalen Partner geschoben wurde. Der deutsche und der französische Partner bestreiten jedoch nachdrücklich, Schuld an Verzögerungen gewesen zu sein, sie hätten immer zeitnah und pünktlich alle Daten übersetzt und an die Druckerei gesendet.

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Die Folge dieser Entwicklung war, dass der französische Verlag 66 Karten auf eigene Kosten nachdrucken ließ. Zudem gab es noch eine offene Rückzahlung, die sich 1,5 Jahre verschoben hat und durch den schlechter gewordenen Wechselkurs einen weiteren Verlust für Nuts Publishing bedeutet.

Auch der Schwerkraft Verlag berichtet übereinstimmende Erfahrungen mit Hall or Nothing Games. So waren bereits im Spiel "1066" Unregelmäßigkeiten in der historischen Darstellung aufgefallen, die noch rechtzeitig beseitigt werden konnten. Zudem sprang eine damals beschäftigte Zeichnerin kurzfristig ab, was sich dann bei Lifeform wiederholte und weswegen keine „offenen“ Dateien zur Verfügung standen. Das bedeutet für eine Lokalisation einen deutlichen Mehraufwand, da jede einzelne Karte und Grafik manuell aufwendig bearbeitet werden muss.

Die Daten zu „Kilforth“ wurden dem Schwerkraft Verlag im Juli 2018 zur Verfügung gestellt und sind als „final“ betitelt worden, obwohl sie es noch nicht waren. Das Spiel war schon deutlich im Verzug und sollte nun durchgedrückt werden. Am 13.9. erreichten den Verlag abermals „finale“ Dateien, die innerhalb von nur 24 Stunden bearbeitet wurden, was einem Kraftakt gleichkommt. Am 23.10. meldete sich dann die Druckerei mit Problemen in den Druckdaten – wobei die Ursache in Original-Dateien zu finden war. Während der SPIEL 2018 in Essen wurden die Daten überarbeitet. Am 8.11. mussten dann noch die Druckdaten für eine Schachtel in allen Sprachversionen überarbeitet werden.

Nach dieser ganzen Fehlerkette, die laut französischer und deutscher Quelle durch „Hall or Nothing“ verursacht wurde, sparten diese wohl Zeit ein, indem sie lokalisierten Versionen keine Zeit mehr einräumten, um weitere - für die englische Version im Geheimen - durchgeführte Änderungen an den Texten von Karten mehr durchzuführen. Ursächlich für die Änderungen waren nach Rückfrage Balancing-Korrekturen. Diese sind durchaus relevant und den Spielern und Spielerinnen in Deutschland wollte der Schwerkraft-Verlag keine vermeintlich schlechtere Version verkaufen. Aus diesem Grund wurde entschieden, neue Karten zu produzieren und jedem Exemplar beizulegen – auf Kosten von Schwerkraft. Da die echten „finalen“ Druckdaten nie versendet wurden, musste der deutsche Verlag jede Karte anhand der nur für den Bildschirm optimierten PDF Datei mühsam durchgehen und aufwändig Änderungen einbauen.

Hall or Nothing Games sah diese Aktion als „kindisch“ an, jeglicher E-Mail Kontakt wurde seitens Hall eingestellt – so der Schwerkraft Verlag. Höchste Priorität habe die englische Version und jegliche Änderungen, die Auswirkungen auf die mögliche Auslieferung haben seien von der Druckerei und der folgenden Produktion zu unterlassen.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist klar: Weitere deutsche Versionen von Hall or Nothing Games sind vorerst nicht mehr zu erwarten und es wird etwas verständlicher, warum sich der Schwerkraft Verlag nicht erneut auf weitere Projekte mit Hall or Nothing Games einlassen wird.

Wir haben eine Stellungnahme bei Hall or Nothing Games angefragt und ergänzen diese, sobald/falls wir Antwort erhalten.

http://blog.nutspublishing.com/

Quelle: E-Mail vom Schwerkaft-Verlag, liegt der Redaktion vor

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