TEST // MONUMENTAL

TEST // MONUMENTAL

 

meinung zum spiel DK

Lange habe ich darüber nachgedacht, wie die Einleitung zum Fazit zu MONUMENTAL lauten könnte. Das Ergebnis ist „WOW“. Ein Ausruf des Überraschens, des „Erstaunt seins“. Ich hatte mit MONUMENTAL ein Zivilisationsspiel erwartet, gespickt mit Miniaturen. Rudimentär ist es das auch, aber dann irgendwie doch nicht. Das Spiel ist wie eine Suppe, die beim ersten Schluck alle Geschmacksknospen anspricht und ein kleines Feuerwerk im Kopf verursacht. Doch woran liegt das?

MONUMENTAL ist neben den Miniaturen, modularem Spielfeld und einer riesigen Anzahl einzigartiger (zum Teil aber ähnlicher) Karten im Fundament ein klares Deckbauspiel. Dabei funktioniert es aber in einem Punkt anders, als mir bekannte Spiele. Statt fünf Karten zu ziehen und die Hand zu spielen, gibt es die Auslage von neun Karten, von denen in jeder Runde 5 (oder mehr) aktiviert und dann abgeworfen werden. Das kann gut funktionieren, führte in den Testrunden aber auch dazu, das zum Teil vor allem eine Reihe immer wieder aktiviert wird, da dort immer die besten, weil am neusten erstandenen Karten ausliegen.

Das Aktivieren einer Zeile und einer Spalte klinkt so einfach und kann im Spiel dann doch deutlich über Sieg und Niederlage entscheiden. Hier ist Erfahrung von Bedeutung – idealerweise aus herkömmlichen Deckbuilding-Spielen. Denn nicht die alleinige Anzahl der auf den ersten Blick verfügbaren Rohstoffe ist entscheidend, sondern das Auslösen von Kettenreaktionen. Nicht das Aufblähen des eigenen Decks führt zum Sieg, sondern das gezielte und gekonnte Ausdünnen.

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Neben diesem Spielaspekt ist der Spieler dann aber auch dazu aufgefordert, seine gute Kartentaktik auf das Spielfeld zu bringen und die verfügbaren Aktionen möglichst erfolgreich einzusetzen. Gebiete erobern, sinnvoll erkunden und damit weitere Möglichkeiten schaffen, die eigene Auslage zu optimieren.

Wäre das noch nicht genug, kommt noch hinzu, dass MONUMENTAL leicht abweichende Zivilisationen hat. Jedes Volk spielt sich geringfügig anders und belohnt, wenn die jeweiligen Fähigkeiten ausgespielt werden, ohne dass eine Fraktion zu stark erscheint. Manche Fraktionen erfordern aber mehr Spielerfahrung, um sie zum Sieg zu führen.

Diese Kombination macht aus einer Partie MONUMENTAL genau das, was ich an Spielen liebe: im Grunde leicht zu lernen, aber schwer zu meistern. Als schmackhaftes Gewürz kommt die Prise Zivilisations-Spiel oben drauf, die lecker schmeckt, aber im positiven Sinne nicht satt macht. Im Grunde ist MONUMENTAL eine Zusammenstellung vieler guter (aber auch bekannter) Geschmacksnoten, die unterm Strich aber einen einzigartigen Geschmack ergeben. Eben dieser, der mich seit der ersten Partie nicht mehr los lässt… Der ist nicht übermäßig komplex, aber lässt mich immer noch mit Appetit zurück, was nicht so viele Spiele im Jahr schaffen.

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Noch ein wichtiger Hinweis: Wir haben allein wegen der Fotos zur Rezension die Version mit Miniaturen gefördert. Spielerisch macht es aber keinen Unterschied, stattdessen die Version mit den Chips zu nehmen, zumal diese schneller auf- und abgebaut ist.

Wir haben das Spiel mit 1, 2 und 3 Spielern gespielt. Zu viert war es aufgrund der aktuellen Lage nicht möglich. Grundsätzlich gilt, dass MONUMENTAL durchaus auch länger dauern kann. Wir haben diverse Szenarien ausprobiert, aber im Prinzip ist es möglich, auch eigene Spielfelder nach eigenem Ermessen zusammenzustellen und es damit erfahrenen Spielern etwas schwerer zu machen, ins Spiel zu kommen. Das ist ein sehr positiver Aspekt, der sich nur bei wenigen Spielen realisieren lässt.

Wer Deckbauspiele mag, sollte dringend einen Blick auf das Spiel werfen. Wer Zivilisationsspiele mag, muss damit zurechtkommen, dass dieser Aspekt „nur“ als „Geschmacksverstärker“ dient, aber sinnvoll eingebunden ist. Insgesamt erscheint das Spiel wie ein „Best off“ diverser anderer Spiele. Hier gilt das nicht despektierlich gemeinte Motto „besser gut geklaut als schlecht selber gemacht“.

monumental wertung

 

Bilder vom Spiel

 

Tags: Kennerspiel, 90-120 Minuten, Kickstarter, 1-4 Spieler, Area Control, Strategie, Deckbauspiel

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