TEST // GRAMMARGON

TEST // GRAMMARGON

Die Bewertung von GRAMMARGON ist eine Aufgabe, die uns vor einige Schwierigkeiten gestellt hat. Generell gibt es zwei unterschiedliche Bereiche, die Beachtung finden sollten: der Bereich Brettspiel und der Bereich wissenschaftliche Englischdidaktik. Jedoch können wir uns hier nur um einen dieser Bereiche kümmern. Dieses Fazit wird daher den Brettspielanteil in den Fokus nehmen, der in GRAMMARGON steckt, da ich von dem Bereich der Englischdidaktik zu wenig Expertise besitze, um mich dazu äußern zu können.

Damit ich aber nicht völlig aufgeschmissen bin, habe ich mir für diesen Test einen angehenden Englischlehrer an den Tisch gesetzt, damit wir das Spiel auf Herz und Niere überprüfen können. Leider habe ich keine guten Nachrichten, was den Brettspielanteil des Spiels anbetrifft.

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Das Kernproblem scheint zu sein, dass GRAMMARGON davon ausgeht, dass Grundkenntnisse und am besten auch bereits erweiterte Kenntnisse zu seinem Thema vorhanden sind, um das Spiel überhaupt spielen zu können. Zwar sagt GRAMMARGON, dass es sich gut für Anfänger mit geringen Kenntnissen eignet, aber diesen Eindruck konnten wir ganz und gar nicht teilen, da selbst wir große Probleme hatten, zu verstehen, was das Spiel eigentlich von uns verlangt. Die Regeln geben nur eine kleine Einführung in die Thematik und erklären die Karten kurz, wodurch anscheinend jedoch ausreichend Infos gegeben worden sein sollen, um das Spiel spielen zu können. Ohne weitere Lektüre oder andere Hilfsmittel der Grundregeln dieser Zeitformen kommen die Spieler aber nicht sehr weit, da auch die Kontrollinstanzen im Spiel fehlen.

Nehmen wir als Beispiel die Strategie-Variante, bei dem die Spieler die Kartenreihen in das Gitter legen müssen. Problem 1: Das Spiel sagt, Spieler müssen Karten auslegen, wenn sie es können und wenn sie es nicht können müssen sie solange Karten nachziehen, bis sie es können. Es gibt aber keinerlei Hilfe, die erkennen lässt, ob Karten gelegt werden können, da das Grammatikblatt im Spiel laut Regeln nur zur Hilfe gezogen werden soll, wenn eine „CHALLANGE“ ausgerufen wird. Ich hatte irgendwann einfach 20 Karten auf der Hand, da ich bei den meisten Karten keine Ahnung hatte, welchen Karten diese zuzuordnen waren. Meinem Englischlehrerkollegen ging es zeitweilen nicht besser, da die Informationen der Karten ebenso widersprüchlich sind (manche Signalwörter werden auf Karten in unterschiedlicher Zeitformen verwendet, was dazu geführt hat, dass wir diese nicht eindeutig identifizieren konnten).

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Problem 2: Es gibt keinerlei Fehlerkontrolle, bis auf das Grammatikblatt. Karten werden angelegt, solange diese aber nicht angezweifelt werden, werden diese nicht überprüft und können damit falsch eingeprägt werden.

Problem 3: Das Grammatikblatt, das Regelblatt und die Karten sind viel zu voll und zu bunt (Stichwort: Cognitive Load- Theory). Auf jedem freien Feld werden die Spieler mit Informationen, Farben und Texten überschüttet, die einen präzisen Überblick im Spiel unmöglich machen. Besonders die Karten machten es uns unmöglich, alle Informationen zu erfassen, was irgendwann in einem Ratespiel endete, da uns nach einiger Zeit die Motivation fehlte, uns durch all diese Informationen immer und immer wieder zu kämpfen. Die Spielschachtel ist ein Sinnbild dessen. Allein schon herauszufinden, wie die genaue Bezeichnung des Spiels lautet, scheint unmöglich, da es 4 unterschiedliche Varianten gibt, die auf dem Front-Cover der Schachtel stehen.

Diese Überfülle an Informationen bringt zusätzlich das Problem mit, dass auch das Überprüfen von Einwänden mithilfe des Grammatikblattes einige Zeit in Anspruch nimmt, was den Spielfluss enorm einschränkt. Das geht sogar so weit, dass ich nicht einmal nebenbei beim Überprüfen eines Einwandes „schummeln“ konnte, um meine eigenen Handkarten einordnen zu können, weil das Finden der eigentlichen Information schon zu lange gedauert hat. Das Regelheft ist äußerst umständlich verfasst und durchmischt Sprachniveaus auf regelmäßiger Basis, was den Lesefluss ungemein einschränkt. Es macht den Anschein, dass die Qualitätskontrolle des Regelheftes nicht weit oben auf der Prioritätsliste stand, da die Sätze teilweise mitten im Satz von der „Sie“-Form in die „Du“-Form wechseln und Sätze unnötig verkompliziert ausgedrückt werden. Dadurch wirken manche Sätze, als wären sie durch ein Übersetzungsprogramm eines Computers geschickt worden, ohne dass ein Mensch daran beteiligt war.

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Die Karten haben neben ihren eigentlichen Kartentexten zusätzliche Informationen am Kartenrand, die aber nur als Boni gedacht sind und nicht zum eigentlichen Spiel gehört, was es jedoch weiter überfrachtet. Auch die nicht vorhandene Skalierung der Spielvarianten macht dem Spiel zu schaffen, da immer das gesamte Kartendeck verwendet wird. Das führt dazu, dass unsere Spielrunde bei der ersten Spielvariante ungefähr 1,5 Stunden dauerte und wir den Kartenstapel nur zur Hälfte gespielt hatten. Der Umstand, dass bei der Angriffs- und Verteidigungsvariante insgesamt 90 Spielrunden zu spielen gewesen wären (jeder Spieler spielt insgesamt 45 Karten aus, bis das Spiel endet), hat unter anderem dazu geführt, dass wir diese Spielvariante abgebrochen haben, weil wir keinen Spielspaß mehr hatten.

GRAMMARGON eignet sich unserer Meinung nach in keinem Fall als Alleinlernmittel für Anfänger, da dafür zu wenig Basisinformationen und Hilfestellungen gegeben werden. Die Probleme, die wir mit den Inhaltsfeldern des Spiels hatten, lassen erahnen, dass es mit einer Schülergruppe ab 10 Jahren (für die das Spiel angedacht ist) unmöglich umzusetzen wäre. GRAMMARGON kann nach unserer Meinung dann mit Mehrwert gespielt werden, wenn ein „Spielmeister“ mit sehr viel Ahnung von der Thematik die Spieler anleitet (ergo ein eigener Lehrer, der das Spiel überwacht) oder es von Lehrern oder Erwachsenen dafür genutzt wird, sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen und dieses zu trainieren. Ob es dafür nötig und empfehlenswert ist, mit diesem Spiel anstatt eines anderen Lernmittels zu arbeiten, kann aber nur die didaktische Analyse beantworten, die ich hier, wie bereits gesagt, nicht leisten kann. Leider hat uns die Brettspielkomponente von GRAMMARGON aus den obengenannten Gründen nicht gefallen. Wir hatten wirklich Lust darauf, dieses Spiel zu spielen und zu testen, was von der Zielgruppe „Schüler“ (wahrscheinlich) nicht zu behaupten sein dürfte. Wir haben beim Spielen keinerlei Spielspaß entwickelt und meinen, dass das Spiel Schülern ohne starke Unterstützung wenig helfen wird.

 

Wertung zum spiel

 

Bilder vom Spiel

Tags: Gedächtnis, Lernspiel, 1-6 Spieler, Karten auslegen, Set sammeln

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