TEST // STRUGGLE OF EMPIRES

TEST // STRUGGLE OF EMPIRES

Die europäische Geschichte ist geprägt von Kriegen, Expansionen und Kolonialisierungen. Bereits 2004 schlüpften die Spieler in STRUGGLE OF EMPIRES von Martin Wallace in die Schuhe der europäischen Eroberer und bauten ihre eigenen Kolonialmächte auf. 2020 griff EAGLE GRYPHON GAMES den alten Klassiker auf und verpasste ihm ein komplett neues Antlitz sowie verfeinerte Regeln. Wie schlägt sich diese neue Version von STRUGGLE OF EMPIRES aber nun auf unserem Tisch?

 

infos zum spiel

Wir haben STRUGGLE OF EMPIRES mit einem Presserabatt von EAGLE GAMES gekauft.
Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung!

 

Kolonien braucht das Land!

 

In STRUGGLE OF EMPIRES übernehmen die Spieler die Rollen der europäischen Kolonialmächte beim Versuch, die anderen Kolonialmächte auszustechen und durch Diplomatie und Krieg an die Spitze der Großmächte zu gelangen.

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STRUGGLE OF EMPIRES verfügt dafür über 7 Fraktionen, die entweder von bis zu 7 Spielern übernommen werden können oder bei weniger als 7 Spielern als Nicht-Spieler-Fraktion am Spiel teilnehmen. Bei allen Spieleranzahlen sind also immer alle 7 Fraktionen im Spiel. Das Spiel setzt dabei nicht auf asymmetrische Regeln, sondern konzentriert sich darauf, allen Spielern gleich zu Beginn des Spiels die gleichen Ausgangspunkte zu ermöglichen.

STRUGGLE OF EMPIRES spielt sich über 3 Runden, Kriege genannt, die sich wiederrum in jeweils 5-6 Spielrunden (je nach Spieleranzahl) unterteilen lassen. Jede Runde beginnt mit einer Auktion, bei der die Spieler darum bieten können, welche Fraktionen sich in einer Großallianz vereinen. Die 7 Fraktionen werden damit in jedem der 3 Kriege in 2 Großallianzen unterteilt, wodurch sich nicht alle 7 Fraktionen zeitgleich verfeindet gegenüberstehen müssen und sie in einem zukünftigen Krieg auch mit einem ehemaligen Rivalen zusammenarbeiten können. Diese Großallianzen verbieten auch, verbündete Fraktionen anzugreifen, wodurch es zu beachten gilt, sich am Ende nicht den Sieg von einem Mitspieler nehmen zu lassen, der sich selbst durch eine Verbündung unverwundbar gemacht hat.

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Sind die Großallianzen geschlossen, beginnen die Spielerrunden. In Spielerreihenfolge (je nach Positionierung innerhalb der Allianzen) können die Spieler 2 Aktionen ausführen. Bei diesen 2 Aktionen können sich die Spieler dazu entscheiden, 2 normale Aktionen (Einheit bauen, Bewegen, Krieg führen, Passen) oder eine Aktion als Spezialaktion zu verwenden. Mit Spezialaktionen können sich die Spieler Aufbesserungsplättchen kaufen, temporäre Allianzen mit nicht spielbaren Völkern schließen, was ihnen einen Vorteil im Kampf einbringt, oder andere Aktionen des Spielfeldes nutzen.

Bei den Standardaktionen ist schnell klar, was gemeint ist. Bauen die Spieler eine neue Einheit müssen sie den Bevölkerungswert ihres Imperiums senken und können daraufhin eine Marine-, Boden- oder Festungseinheit in ihrem Heimatterritorium produzieren. Anschließend können die Spieler diese Einheit kostenfrei auf ein beliebiges Feld ihrer Wahl bewegen. Dabei gilt es zu beachten, dass sich Einheiten innerhalb Europas komplett frei bewegen können und durch eine Punkt-zu-Punkt-Bewegung geführt werden. Das bedeutet, dass die Einheiten nicht über Bewegungspunkte agieren, sondern einfach in das Zielgebiet gesetzt werden können, ohne die Territorien zu beachten, die dazwischen liegen. Eine Einheit kann damit aus dem Osmanischen Reich unmittelbar in die Balkanstaaten gesetzt werden. Möchte ein Spieler aber eine Einheit in die Kolonien setzen, fallen zusätzliche Schritte an. Um eine Einheit in eine Kolonie zu setzen, muss der Spieler ein Schiff im Seegebiet der Kolonie besitzen und zudem einen Würfelwurf absolvieren. Dieser Würfelwurf mit einem speziellen Würfel gibt an, ob die Einheit diese Reise unbeschadet übersteht (77%), zusätzliche Kosten für eine erfolgreiche Reise anfallen (~16%) oder die Einheit verloren geht bzw. die Reise immense Kosten verlangt (~16%).

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Ruft der aktive Spieler einen Krieg aus, kann er mit seinen Einheiten einen gegnerischen bzw. neutralen Kontrollmarker eines Territoriums attackieren. Nachdem er die Kosten für einen Krieg bezahlt hat, kann er um Unterstützung seiner lokalen Verbündeten bitten. Diese können frei entscheiden, ob sie diese Hilfe gewähren oder nicht, auch wenn sie im Vorfeld einen „Vertrag“ mit dem Spieler abgeschlossen haben, dass sie ihn natürlich in jedem Fall unterstützen werden und anschließend dafür natürlich gleich ihre Provision eingesammelt haben.

Bei einem Kampf (egal, ob Seeschlacht oder Bodenkampf) zählt jede teilnehmende Einheit (verbündet und eigene) als Kampfstärke 1. Die Spieler rechnen damit alle ihre Einheiten zusammen und rechnen zu diesem den Durchschnittswert eines Würfelwurfes mit 2 Würfeln hinzu. Ein Beispiel: Franz hat 3 Soldaten und Nina hat 4. Franz hat damit Kampfstärke 3, Nina 4. Beide würfeln mit zwei Würfeln wobei Franz eine 3 und eine 5 und Nina einen Zweierpasch würfelt. Franz´ Differenz liegt damit bei 2, wodurch er auf einen Kampfwert von 5 kommt, und Nina eine Differenz von 0, wodurch sie bei einer Kampfstärke von 4 bleibt. Ein Kampf beginnt mit einer Seeschlacht, sollte die verteidigende oder angreifende Partei diese verlangen (und beide eine Marine-Einheit in diesem Gebiet haben).

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Der Sieger des Kampfes erhält einen +1 Modifikator auf die Bodenschlacht, die sich unmittelbar anschließt. Der Sieger der Bodenschlacht kann den Kontrollmarker des Gegners mit einem eigenen vertauschen, wodurch sein Einfluss auf das Gebiet steigt, während der Verlierer eine seiner Einheiten verliert.

Eine große Komponente bei STRUGGLE OF EMPIRES ist der Unruhe-Wert. Jedes Mal, wenn ein Spieler eine Einheit verliert, die Steuern seiner Einwohner einsammelt oder eine spezielle Verbesserung benutzt, muss dieser Spieler ein Unruhe-Token aus einem Beutel ziehen und verdeckt vor sich auslegen. Diesen kann er durch das Passen oder durch eine limitierte Verbesserung wieder loswerden, aber sollte ein Spieler am Ende des Spiels einen Unruhe-Wert von 20 angehäuft haben, rebellieren seine Einwohner und setzen ihn als Herrscher ab. Damit hat dieser Spieler automatisch verloren, egal wie viele Punkte er im Verlauf des Spiels gesammelt hat.

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Zusätzlich erhalten die Spieler am Ende jeder Runde Einkommen von ihren Kontrollmarkern auf dem Feld und entsprechend ihrem Einwohnerwert, müssen aber im nächsten Schritt eine Goldmünze pro aktiver Einheit ausgeben. Es ist damit wichtig, eine gute Balance zwischen Rekrutierung, Einkommen und Einwohnern zu halten, um nicht in eine finanzielle Krise zu stürzen. Am Ende eines jeden Krieges erhalten die Spieler zudem Siegpunkte für die Siegpunktgebiete, die sie kontrollieren. Siegpunktgebiete enthalten 2-3 Siegpunktanzeigen, die angeben, wie viele Punkte die Spieler je nach Einfluss auf dieses Gebiet erhalten. Der Spieler mit den meisten Kontrollmarkern auf einem Gebiet erhält den höchsten Wert, der Spieler mit den zweitmeisten Kontrollmarkern den zweitmeisten usw... Herrscht ein Unentschieden zwischen zwei Spielern, erhalten beide den gleichen Wert, wobei ein Unentschieden mit einer Nicht-Spieler-Fraktion den nächstniedrigeren Wert einbringt. Der Spieler, der am Ende des dritten Krieges am meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt das Spiel.

 

Das Spielmaterial

 

Da es sich bei der neuen Version von STRUGGLE OF EMPIRES um eine Deluxe Edition handelt, die sich sehr auf die Qualität des Spielmaterials konzentriert, hat es in dieser Hinsicht einiges zu bieten. Die Papp-Token bestehen aus außergewöhnlich dicker Pappe und fühlen sich sehr hochwertig an. Das weitere Spielermaterial besteht aus bedruckten Holzkomponenten, die teilweise doppelseitig mit verschiedenen Motiven bedruckt worden sind. Das vergrößerte und überarbeitete Spielfeld bietet sehr viele Informationen auf einen Blick und lässt genug Platz, damit bis zu 7 Spieler das Spielfeld gut erkennen können. Die Grafiken wirken angemessen und die Gestaltung der Verbesserungsplättchen sowie der Felder des Spielfeldes und die Aufteilung der Spielertableaus (die die Zugreihenfolge und die möglichen Aktionsmöglichkeiten erläutern) wirken durchdacht und erleichtern den Spielfluss. Abgerundet wird das Spielmaterial von einem Plastiksortiersystem, bei dem alle Spielkomponenten einen festen Platz haben, damit kein Spielmaterial lose in der Schachtel umherwandert oder Schaden nehmen kann.

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Das Regelwerk hingegen bietet absoluten Neueinsteigern eine gewisse Einstiegshürde. Insbesondere die deutsche Variante des Regelwerks enthält teilweise verwirrende Sätze und auch das Fehlen von Beispielen im Aufbau ist nicht sonderlich hilfreich. Diese Problempunkte lösen sich jedoch schnell im weiteren Verlauf der Regeln auf und münden in einer sehr zielführenden und strukturierten Regelerklärung, die den Spielern viele Möglichkeiten verschiedener Spielvariationen aufzeigt (ein schnelles Lernen der vielen Regeln ist dabei aber für Einsteiger noch immer nicht möglich).

Tags: Ressourcenmanagement, Kampfstrategie, Historisch, 2-7 Spieler, Area Control

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