TEST // FATALE ANTARKTIS

TEST // FATALE ANTARKTIS - Fazit + Wertung + Bilder vom Spiel

FATALE ANTARKTIS als Brettspiel zu bezeichnen, trifft es nicht wirklich. Es existieren kein Regelbuch, keine Spielkarten oder -figuren. Nichts an dem Material lässt im Grunde darauf schließen, dass es sich hier um ein Spiel handelt, da alles (gewollter Weise) genauso in der realen Welt auftauchen könnten. Die Spielgruppe soll hier das Gefühl erhalten, direkt in einen echten Polizeifall geraten zu sein, bei dem die Grundarbeit schon geleistet wurde und es nur noch die Feinheiten zu lösen gilt.

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Insbesondere die Hinweise, die sich außerhalb der Spielschachtel finden lassen, machen von der Qualität einiges her - wenn sie denn gefunden werden.

Hier hat FATALE ANTARKTIS nämlich einige Probleme. Während es äußerlich eine sehr schöne Thematik vermittelt, bröckelt es doch ein wenig in der Umsetzung. Viele Hinweise in der Spielschachtel sind sehr kryptisch und wirken fast so, als ob eine Polizeiausbildung von Nöten gewesen wäre, um sie ohne Tipps richtig deuten zu können. Es kam recht oft vor, dass meine Spielgruppe und ich ratlos vor dem Spielmaterial saßen und keinen blassen Schimmer mehr hatten, was hier eigentlich zu tun ist. Begründet ist dieses Problem in der Verknüpfung der unterschiedlichen Hinweise. Viele davon sind stark miteinander verbunden, sodass die Spielgruppe nicht weiterkommt, solange sie den Ersten nicht richtig gedeutet hat. Dadurch fühlt sich das Spielgeschehen sehr linear an, was insbesondere in einer verworrenen Ermittlung wie dieser völlig fehl am Platz ist. Aus diesen Gründen schlichen sich bei uns auch viele Frustmomente ein, die den Spielspaß und -fluss immer wieder unterbrachen.

Dabei ist das Spiel an sich nicht schwer, sondern nur unnötig komplex und verworren, was zum Teil die Schuld des Spiels selbst ist. Beispielsweise liegt das an falschen Schlussfolgerungen oder Informationen, die das Spiel der Spielgruppe als Tatsachen vorlegt, obwohl diese auf ganz andere Fakten gestoßen ist. Die eigentliche Authentizität, die das Spiel der Spielgruppe vorgaukeln möchte, wird auch sehr schnell durch die vorhandenen Hinweise und Handlungen der Verdächtigen zerstört. Wäre der Fall auf die gleiche Weise in der realen Welt geschehen, hätte es vermutlich keine 10 Minuten gedauert, um ihn zu lösen. Da das Spiel aber essenzielle Beweismittel gar nicht anbietet, ist die Spielgruppe gezwungen, unnötig im Dunkel zu tappen und nach einer vorgespielten Tiefe zu suchen, die schlussendlich gar nicht da ist.

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Was FATALE ANTARKTIS aber wiederum gut umsetzt, ist, dass hier viele Spielende auf einmal zum Zug kommen und es teilweise auch müssen. Zum einen gibt es unheimlich viel zu lesen, sobald die Box einmal geöffnet worden ist (wofür es einige Lesewillige bedarf, damit sich dieser Teil der Informationsbeschaffung nicht allzu lang hinzieht) und zum anderen erhöht sich die Chance, dass irgendjemand, vielleicht auch nur durch Zufall, auf die richtige Idee zu einem Hinweis kommt.

Nachdem wir mit unserem Spieldurchlauf fertig waren, fragte ich meine Spielgruppe, ob wir nach diesem Abenteuer noch einmal einen Teil der DETECTIVE STORIES spielen wollen. Was mich überraschte war, dass die einheitliche Antwort „Ja“ lautete. FATALE ANTARKTIS an sich besitzt also einige Fehler, macht in seiner Grundstruktur aber so vieles richtig, dass das Interesse an weiteren Teilen besteht. Sollte sich die wirkliche Komplexität der zukünftigen Fälle nicht nur auf die sporadischen Hinweise beziehen, sondern tatsächlich interessante Ermittlungen ermöglichen, sehen wir hier großes Potential für Fans des Detektiv-Genres.

Spielgruppen, die sich einfach mal in ein Detektiv-Abenteuer stürzen möchten und sich für Ermittlungen mit einem fast realen Hintergrund interessieren, können hier aber trotzdem einen Blick riskieren. Durch seine leichte Zugänglichkeit und dem gut gestalteten Material kann es auch trotz seiner Schwächen für einen interessanten Spieleabend sorgen.

 

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Tags: 1-5 Personen, Detektiv, 90-120 Minuten

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