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TEST // SANCTUM

TEST // SANCTUM

Eine Welt, deren Ende in Form des Dämonenfürsten Malgharzar kurz bevorsteht. Eine Welt, in der Monster schwer bewaffnet durch die Lande ziehen. Eine Welt, in der eine kleine Gruppe von Helden darauf aus ist, den Widersachern den Garaus zu machen, ihnen mächtige Gegenstände zu entreißen und schließlich dem roten Oberdämonen selbst das Handwerk zu legen. Ob das gelingt? Finden wir es heraus – in SANCTUM!

 

infos zum spiel

SANCTUM wurde uns freundlicherweise von CZECH GAMES EDITION zur Verfügung gestellt.
Auf unsere Bewertung hat das keinen Einfluss.

 

Der lange Weg mit Kämpfen, Ausrüstung und Fähigkeiten

 

In SANCTUM schlüpfen die Spieler in die Rollen von vier möglichen Charakteren, und zwar in die Rolle

der Jägerin, die ihre Gegner beweglich aus der Ferne attackiert,

des Gesetzlosen, der mit vielen Tricks seinen Feinden zuleibe rückt,

des (unglücklich übersetzte) Unheilstöters, der mit brachialer Gewalt ins Feld zieht, oder

der Tänzerin, die mit Eleganz und Grazie Breschen in die dämonischen Reihen schlägt.

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Die Charaktere verfügen alle über eigene Charaktertableaus und ein Begabungsverzeichnis. Mit dem Sieg über Gegner können die Spieler nicht nur Ausrüstung gewinnen, sondern auch die auf den verschiedenen Fähigkeiten platzierten Juwelen verschieben. Ein roter Gegner erlaubt dabei das Verschieben der roten Steinchen, immer nach oben. Ist eine der Karten oder Plättchen ohne Juwelen, ist die Fähigkeit freigeschaltet und kann verwendet werden. Sind Juwelen am oberen Ende des Verzeichnisses angekommen, können die Spieler sie benutzen, um erbeutete Ausrüstung anlegen zu können.

In ihrem Zug können sich die Spieler entweder bewegen, kämpfen oder rasten.

Bewegen: Bei einer Bewegung versetzt der Spieler seinen Charakter an die vorderste freie Position des linearen Spielfeldes. Dieses ist (je nach Spielerzahl) in bis zu sechs Abschnitte unterteilt. Der Weg bietet dabei keinerlei Abzweigungen und damit eine finale Anzahl an möglichen Gefechten. Nachdem die Spieler vorgerückt sind, decken sie Dämonen auf, und wählen die aus, die sie später bekämpfen wollen.

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Die Spieler können aus fünf verschiedenen Sätzen an Dämonen wählen, die je nach Gebiet unterschiedlich stark sind. Ferner haben sie ein Farbe, die bestimmt, welche Art von Juwelen nach einem Sieg bewegt werden kann. Außerdem können die Spieler bereits vor der Auswahl sehen, welche Art von Ausrüstung die Dämonen fallen lassen, wenn sie besiegt werden. Landet der Spieler auf dem letzten Feld des aktuellen Spielplans, einer Schatztruhe, werden alle verbliebenen Gegner auf ihre Belohnungsseite umgedreht. Jeder Spieler darf sich einen Ausrüstungsgegenstand aussuchen und aufnehmen. Die restlichen Gegenstände werden abgelegt.

Kämpfen: Jeder Gegner zeigt ein Würfelergebnis, mit dem er besiegt werden kann. Die Spieler versuchen, anfangs mit 2, später mit mehr Würfeln, die entsprechende Zahl zu erreichen. Schaffen sie es, ist der Gegner besiegt. Schaffen sie es nicht, nehmen sie den Schaden, den der Gegner anrichtet.

Die Spieler verfügen bereits zu Anfang über Möglichkeiten, Würfelergebnisse zu manipulieren, etwa 1 zum Ergebnis hinzuzufügen oder abzuziehen. Dies kostet Ausdauer- (rot) oder Fokusmarker (blau). Violette Fähigkeiten können sowohl mit Ausdauer- als auch mit Fokusmarkern aktiviert werden. Ebenso kann mit einigen Fähigkeiten verhindert werden, dass der eigene Charakter Schaden erleidet.

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Sind die Gegner besiegt, darf der Charakter aufleveln, je nach Level der Gegner. Er darf die angezeigten Juwelen in seinem Begabungsverzeichnis bewegen und dadurch neue Fähigkeiten erlernen. Außerdem landen dadurch möglicherweise Juwelen im verfügbaren Pool und können später in der Rastphase zum Anlegen von Ausrüstung verwendet werden.

Beim Rasten dürfen die Spieler Ausdauer und Fokus vollständig wieder herstellen. Sie können außerdem erbeutete Gegenstände anlegen, sofern sie die dazu notwendigen Juwelen im Pool haben. Überschüssige Gegenstände können außerdem für Tränke verkauft werden, die Ausdauer und Fokus auch ohne Rast wiederherstellen können. Abschließend wird das Erfolgstableau überprüft: Hat ein Spieler gewisse Meilensteine erreicht (Fähigkeiten erlernt, Juwelen gesammelt, Ausrüstung angelegt oder zuerst bestimmte Erfolge erreicht), bekommt er Belohnungen, die in der finalen Konfrontation gegen Malghazar nützlich sein können.

 

Der Kampf gegen den dämonschen Herrscher

 

Der 5. Spielplan symbolisiert die Belagerung der Stadt Sanctum. Quasi das letzte Gefecht vor der letzten Schlacht. Hier dürfen die Spieler noch ein letztes Mal gegen die dämonischen Unterlinge antreten, jedoch werden der ersten Welle keine weiteren hinzugefügt. Auch können die Spieler nicht weiter vorrücken, also nur noch gegen alle Dämonen auf ihrem Tableau kämpfen oder rasten. Der erste Spieler, der keine Dämonen mehr vor sich liegen hat, durchbricht die Mauer Sanctums und beschwört Oberdämon Malghazar. Die anderen Spieler können sich entscheiden, ebenfalls sofort am Endkampf teilzunehmen und werfen hierzu ihre verbliebenen Dämonen ab. Je länger sie allerdings warten, desto schwieriger wird der Endkampf, denn es werden mit jedem Zug mehr Dämonenlordkarten ausgelegt. Erst, wenn alle Spieler bereit sind, gibt es noch eine letzte Rast und dann beginnt der Kampf.

Nun werden die Dämonenlordkarten umgedreht. Spieler, die sich bereits in der Kathedrale befunden haben, werden nur von den Effekten der ersten beiden Karten betroffen. Die anderen Spieler von allen, die zusätzlich ausgelegt wurden, bis sie ebenfalls zum Endkampf aufgebrochen sind.

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Der Bosskampf erfolgt nach abgewandelten Regeln:

Jeder Spieler bekommt abwechselnd 5 Dämonenlord- und 4 Rasereikarten zufällig vor sich ausgelegt. Nun dürfen sich die Spieler gleichzeitig vorkämpfen, rasten ist nicht mehr möglich. Auch müssen die Karten eine nach der anderen und in der bestehenden Reihenfolge überwunden werden.

Wird eine Karte besiegt, wird die Charakterfigur auf die nächste Karte versetzt. Rasereikarten werden dabei aufgedeckt und der jeweilige Effekt für den Spieler abgehandelt. Schaden fügen alle Karten zu, die der Spieler noch nicht besiegt hat. Rasereikarten verursachen allerdings nur Schaden, wenn sie umgedreht werden – also generell nur die jeweils aktuelle Rasereikarte. Dämonenlordkarten verursachen dagegen immer Schaden.

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Nach der ersten Kampfrunde brüllt der Dämonenfürst: Es werden zwei weitere Dämonenlordkarten in die Mitte gelegt, umgedreht und ihr Effekt für alle Spieler abgewickelt. Diese Karten müssen nicht bekämpft werden. Nach der zweiten Kampfrunde brüllt Malghazar erneut, allerdings nur noch mit einer Karte. Danach brüllt er nicht mehr, es wird nur noch gekämpft.

Schafft es ein Spieler, alle Karten zu überwinden, ist er siegreich. Die anderen Spieler versuchen es aber weiterhin. Denn abschließender Gewinner ist der Spieler mit den meisten verbleibenden Lebenspunkten.

 

Es regnet Ausrüstung!

 

SANCTUM ist herausragend produziert: Die Miniaturen der Charaktere sind detailliert, die Spielpläne wunderschön, die Juwelen haptisch ebenfalls tolle Komponenten. Die Ausrüstung ist abwechselungsreich und teilweise überaus lächerlich übersetzt (was aber der geistigen Vorlage durchaus entspricht).

Die wichtigsten Komponenten sind die Charaktertableaus. Die Begabungsverzeichnisse sind clever konzipiert und stimmig dargestellt. Leider sind die Tableaus nicht immer optimal aufgeteilt. Auch die individuellen Übersichtsbögen sind eine willkommene Komponente, die die einzelnen Fähigkeiten der Charaktere gut aufschlüsseln. Die Gegnerkarten beidseitig zu bedrucken und die Beute direkt auf der Rückseite darzustellen, ist ebenfalls eine großartige Idee. Insgesamt gibt es für das Material viele Pluspunkte.

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All dieses Material braucht natürlich seinen Platz. Mit den bis zu drei Spielplänen, den Heldentableaus, dem Erfolgstableau sowie sämtlichen Karten und Markern braucht SANCTUM schon einen ziemlich großen Tisch.

In der Box befindet sich überraschenderweise kein Inlay – damit hätte ich persönlich bei einer so hochwertigen Produktion gerechnet. Die Miniaturen befinden allerdings in einem Plastikkasten, der noch Platz für weitere Komponenten bietet.

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Leider hat sich im Regelheft ein fetter Fehler eingeschlichen: Es wird eine falsche Zahl an zu verwendenden Spielplänen bei vier Spielern angegeben. Das ist bei einer so hochwertigen Produktion sehr ärgerlich.


Sprechen wir zu allererst über den „Elefanten im Raum“: SANCTUM möchte gern als „Diablo – Das Brettspiel“ betrachtet werden. Das wird nirgendwo ausdrücklich gesagt, aber das Design des Spiels, die Mechaniken, die Charaktere und nicht zuletzt der große Oberschurke suggerieren das doch sehr stark.

SANCTUM sieht einfach toll aus. Wunderschönes Spiel. Leider ist es in allen meinen Runden absolut durchgefallen. So sehr, dass ich mir immer neue Mitspieler suchen musste, lediglich einer hatte überhaupt Interesse an einer zweiten Runde. Dabei ist vermutlich die Erwartungshaltung, die das Spiel mit seiner visuellen Anlehnung an die bekannte „Diablo“-Reihe schürt, auch eine große Hürde. Denn der Schein trügt. Action und packende Kämpfe erwartet man hier vergebens, stattdessen entsprechen die Kernmechaniken eher denen eines eurolastigen Engine Builders.

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Eigentlich muss man über zwei unterschiedliche Spiele reden. Alles vor dem Bosskampf ist geradezu lächerlich einfach. Nicht ein Spieler hat auch nur einen Lebenspunkt vor dem Boss verloren. Und das liegt nicht etwa daran, dass wir alle so überragende Spieler sind oder über unverschämtes Würfelglück verfügen. Nein, SANCTUM ist absichtlich so entworfen. Der „Grind“ zum Boss soll in sich keine Herausforderung darstellen.

Der Bosskampf dagegen ist wirklich schwierig, womit ich an sich kein Problem habe. Allerdings gibt es nichts, was die Spieler auf diese Begegnung vorbereitet. Nichts, was ihre bisherigen Entscheidungen im Aufbau ihres Charakters auch nur annähernd auf die Probe stellt. Dagegen fühlen sie sich vom Boss unerwartet niedergeknüppelt. Die Spieler müssen am besten schon im Voraus wissen, was für ein Ausmaß an Schaden ihre Charaktere im Endkampf nehmen, das Spiel bereitet sie nämlich nicht darauf vor.

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Leider macht SANCTUM eines nicht, was sein digitales Vorbild ganz hervorragend hinbekommen hat: Die Kämpfe, die einen Großteil des Spiels ausmachen, machen in SANCTUM einfach keinen Spaß. Action sucht man vergeblich. Reines Würfeln ist dafür einfach kein geeigneter Mechanismus, am Ende ist Gelingen oder Scheitern reine Glückssache. Auch wenn die unterschiedlichen Charaktere etwas andere Fähigkeiten aufweisen, bereichern diese das Spielgefühl nicht ausreichend. Im Bosskampf sind sie auch zu vernachlässigen. Wichtiger ist, dass die Spieler möglichst viel Schaden mitigieren können.

Das Freischalten der Fähigkeiten und das Ausrüsten der Gegenstände sind clevere Mechanismen, die auch interessante Entscheidungen mit sich bringen. Leider sind sie in ein so uninteressantes System eingebettet, dass sie darin komplett untergehen. Diese Art von Würfelkampf kam schon vor über 35 Jahren bei TALISMAN zum Einsatz – modernes Spieldesign sieht anders aus.

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Interaktion zwischen den Spielern sucht man auch vergebens. Einzig bei der Auswahl der zu bekämpfenden Dämonen könnte man den Mitspielern eventuell etwas wegschnappen – da aber in den meisten Fällen direkt wieder aufgefüllt wird, ist auch diese Überlegung für die Katz.

Als Solospiel funtioniert SANCTUM dagegen ganz zufriedenstellend. Jedoch ist es aufgrund des geringen Wiederspielwerts und des hohen Preises auch dafür nur bedingt geeignet.

Und so fühlt sich SANCTUM trotz der so hochwertigen Produktion sehr unfertig und unausgegoren an. Mit einem anderen Kampfssystem, mehreren möglichen Pfaden auf den Spielplänen und einem vernünftig ansteigenden Herausforderungsgrad (vielleicht mit „Aktbossen“ am Ende jedes Spielplanes) hätte SANCTUM ein großartiges Spiel sein können. So sehe ich leider nur viel verschenktes Potenzial und wenig Wiederspielwert.

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Unterm Strich könnte einen Blick auf SANCTUM riskieren, wer

  • wirklich großen Spaß am Freischalten der Fähigkeiten hat und sich damit eine Maschine zusammenzimmern will
  • überproportionalen Gefallen an der zweiten Phase von GALAXY TRUCKER findet (in dem das eigene gebaute Raumschiff von zufälligen Ereignissen auseinander genommen wird)
  • ein begeisterter Solospieler ist.

Jedoch nur einen vorsichtigen, sehr zögerlichen. Allen anderen kann ich SANCTUM guten Gewissens nicht empfehlen.

 

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

Tags: Engine Builder, 60-120 Minuten, 1-4 Spieler, Fantasy, Würfelspiel

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