ANGESPIELT // FEED THE KRAKEN

ANGESPIELT // FEED THE KRAKEN - Fazit Sven & Elliot

Meinung Sven

FEED THE KRAKEN hat zweifelsohne Anteile vom Spiel „Secret Hitler“, das 2015 erschienen ist. Das Spielkonzept ist aber nochmals weiterentwickelt und das Thema wesentlich familienfreundlicher gestaltet worden. Auch andere Einflüsse aus „The Resistance“ (2009), „Werwölfe“ (2001) und sogar „Battlestar Galactica“ (2008) finden sich hier wieder.

Das gesamte Spiel fühlt sich harmonisch und thematisch äußerst passend an. Dabei stützt das Thema die Mechanik des Spiels, sodass nach ein paar Runden kaum noch Regelfragen auftauchen sollten, was ich bei einem Spiel mit verdeckten Zielen als sehr wichtig empfinde.

Jede spielmechanische Kleinigkeit kann thematisch erklärt werden und das Spielbrett enthält alle nötigen Informationen für den Spielaufbau und die speziellen Ereignisse während der Partie.

Der Kultistenführer, der für die Spielbalance sehr wichtig ist, hat eine realistische Chance zu gewinnen und wird in diesem Spiel nicht einfach nur „benutzt“, was in anderen Spielen schon zu Spielabbrüchen führte. Piraten können ihr Ziel nicht durch pure Lügereien erreichen, da sie so schnell entlarvt und außen vorgelassen werden.

Durch die Wahl von „Erster Maat“ und „Steuermann“, die Abstimmungsphasen und schlussendlich die Wahl der Befehlskarten, die durch drei Hände vollzogen wird, kommen ausreichend viele Informationen zusammen, die für alle Seiten ausgenutzt werden können. Dass die Pistolen bei einer Meuterei abzugeben sind, verhindert auf kluge Art eine unendliche Ablehnungsschleife.

Bestimmte Felder auf dem Spielplan enthalten Sonderaktionen, womit einzelnen Spielern weitere Informationen gegeben werden. So kann ein westlich gelegenes Feld durchaus erstrebenswert sein, wenn damit der hoffentlich loyale Kapitän durch eine Kabinendurchsuchung an wertvolle Informationen kommen kann.

Ich bin kein großer Piratenfan, möchte hier aber nochmals das absolut auf den Punkt getroffene Thema hervorheben, welches das bereits gute Spiel noch besser macht. Das 3D‑Spielmaterial lädt zum Spielen ein und macht es zu einem Hingucker und Publikumsmagneten. Ein absolut geniales Spiel, welches das Social-Deduction-Genre wieder um eine Stufe anhebt.

 

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Meinung Elliot

FEED THE KRAKEN ist ein fantastisches Spieleerlebnis. Über Skype mit Headset und Kamera hat es bereits gut funktioniert. Wenn man seine Ganoven-Matrosen aber persönlich wegen einer Lüge festnageln oder als listiger Pirat Augenklappe-zu-Augenklappe als Unschuldslamm überzeugend für Chaos sorgen kann, gibt dies FEED THE KRAKEN sicher nochmals einen besonderen Reiz. Die Spielelemente greifen sinnvoll ineinander und ermöglichen so eine von Anfang bis Ende spannende Partie. Besonders gefällt mir, dass die aktiven Rollen – Kapitän, Lieutenant & Navigator – regelmäßig neu vergeben werden. So darf jeder Spieler – selbst ein Pirat – auch einmal ans Steuer. Ebenso gefällt mir, wie in FEED THE KRAKEN Entscheidungen getroffen werden: Der Mechanismus mit drei aktiven Rollen sowie der Navigationsbox lässt genug Freiraum für Finten und Lügen, ist aber ausreichend eingeschränkt, um verräterische Handlungen auf die vermeintlich schlechte Auswahl an Navigationskarten zu schieben. So bleibt stets ein Maß an Ungewissheit, welches über das gesamte Spielerlebnis hinweg rege Konversationen, Anschuldigungen und Ausreden anheizt. Zu guter Letzt möchte ich hervorheben, dass die drei Fraktionen geschickt gewählt sind; besonders der Krakenmeister – oder Kult Leader – gleicht einseitige Spiele dynamisch aus. Sind die Matrosen in der Übermacht, so segelt er mit den Piraten nach links. Sind hingegen die Piraten zu stark, wendet er den Kurs nach rechts. Somit, so die Entwickler, seien alle drei Fraktionen gut ausbalanciert und hätten über hunderte Testpartien ausgeglichene Siegchancen gehabt. Ich freue mich darauf, schon bald in meinem eigenen Wohnzimmer in See zu stechen und diese Behauptung auf den Prüfstein zu legen.

Tags: 5-11 Spieler, Social Deduction, Piraten, 45-90 Minuten

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