TEST // X-MEN - AUFSTAND DER MUTANTEN

TEST // X-MEN - AUFSTAND DER MUTANTEN - Fazit + Wertung + Bilder vom Spiel

 

Es waren die 90er Jahre des letzten Jahrtausends, in denen riesige Boxen mit geheftetem Papier, das vorsichtig in Plastikhüllen gesichert wurde, sehr viel Platz in meinem Wohnbereich einnahmen. Auf diesem Papier waren wundervoll gezeichnete Abenteuer zu sehen, mit Wolverine, Storm, Rogue und wie die unzähligen X-Men sonst noch so hießen und später heißen würden. Ich hatte sie (fast) alle im englischen Original. X-Men Classic, Uncanny X-Men, X-Men, Wolverine und so manch anderen kurzlebigen Spin-Off. Die Kisten sind schon lange ausgezogen, aber die Leidenschaft für die Welt der X-Men hat weiterhin Bestand. Somit dürfte es unschwer zu erahnen sein, dass X-MEN – AUFSTAND DER MUTANTEN sehr schnell meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

 

 

Nach dem Öffnen der Schachtel paarten sich weit aufgerissene Augen mit einem ausgesprochenen WTF! Das kümmerlich in der Schachtel liegende Material sah nicht nur reichlich verloren aus, als Gegenwert für knapp 50 € Kaufpreis kamen bei mir erste Zweifel auf, ob das wirklich die Erfüllung für den X-Men-Geekboy in mir sein konnte. Und dann sind nur 7 Standfüße für 16 Heldencharaktere und den Bedrohungsmarker dabei? Ernsthaft? Am fehlenden Platz im Karton oder dem knallhart kalkulierten Sparpreis wird es sicherlich nicht liegen, dass an 10 Plastikfüßen gespart wurde.

 

 

Das Studium der Anleitung bestätigte meinen ersten Eindruck, dass in X-MEN – AUFSTAND DER MUTANTEN das Grundkonzept von das DAS ÄLTERE ZEICHEN mit einem neuen Franchise präsentiert würde. Dies muss jetzt nicht unbedingt die schlechteste Voraussetzung sein, denn DAS ÄLTERE ZEICHEN ist eines der Spiele, das ich immer mal wieder gerne auf den Tisch bringe. Und hier gibt es als Bonus noch eine ganze Reihe X-Men-Charaktere! Die einzelnen Kampagnen hinterließen den Eindruck, dass sie sich sehr nah an großen X-Men-Storylines ausrichten würden. Was hält mich also noch auf? Rauf auf den Blackbird und los zur ersten Mission!

 

 

Zu Beginn des ersten Spiels fiel mir gleich auf, dass alles um einiges leichter ist als bei DAS ÄLTERE ZEICHEN. Durch den Umstand, dass nun nicht mehr alle Aufgaben in einem Zug geschafft werden müssen und ein anderer Heldencharakter die Mission in der Runde noch beenden kann, wird einiges an Schärfe aus dem Spiel genommen. Dadurch kommt zwar ein wenig Push-Your-Luck ins Spiel, da vor der Entsendung zu einer Mission abgewogen werden muss, ob 2 Charaktere an einem Ort zum Erfüllen aller Aufgaben ausreichen oder ob lieber auf Nummer Sicher gegangen werden soll und 3 Charaktere an den Ort reisen. Wirklich spielentscheidend hat sich dies allerdings eher selten in unseren Partien herausgestellt. Was in den ersten Partien gar nicht für uns funktioniert hat, war das Spiel mit 2 Charakteren. Die Möglichkeiten waren sehr eingeschränkt und es kam nur bedingt Spaß auf. Wir haben uns dann im Spiel zu zweit entschieden, dass beide je 2 Heldenfiguren steuern, was gleich ein ganz anderes Spielgefühl hervorbrachte. Nun musste geplant werden, wer mit wem unterwegs war, um die passende Hilfefähigkeit und die passenden Würfel parat zu haben.

 

 

Die unterschiedlichen Fähigkeiten der Helden haben mir nur bedingt gefallen. Sie sind sich zu ähnlich und haben nur selten eine nachvollziehbare Verbindung zum Charakter. Schön ist, dass Rogue die Fähigkeit eines Charakters, der sich zum gleichen Ort bewegt, kopieren kann, dass X-23 nach einer erfüllten Mission 1 Schaden heilt oder dass Colossus ein Kampfergebnis als 5 nutzen kann. Der Großteil der Charakterfähigkeiten begrenzt sich allerdings auf das Ignorieren von Schurkeneffekten, das Nehmen von Trainingsmarkern oder die Möglichkeit, erneut zu würfeln. Unterm Strich gibt es zwar 16 Charaktere zur Auswahl, die sich spielerisch allerdings teils nur bedingt unterscheiden und am ehesten für das Auge von Bedeutung sind.

 

 

Die größte Gefahr für die X-Men kommt durch die Bedrohung ins Spiel. Dies ist allerdings sehr stark von Glück und Pech geprägt. Zum einen über die Missionskarten, durch die Bedrohung ins Spiel kommt. Zum anderen recht massiv über die Bedrohungskarten, die Sentinels ins Spiel bringen, aber auch Mehrfacheffekte durch Nachziehen auslösen können. Die Funktionsweise der Karten hat mich leider gar nicht überzeugen können. Für mich ist der Glücks-/Pech-Faktor durch die Karten deutlich höher, als er es durch das Würfeln ist. Die Karten sind ohnehin so eine Sache für sich. Dass gerade mal 5 Karten pro Kontinent vorhanden sind, es nur jeweils 10 Bedrohungskarten pro Stufe gibt und gerade einmal 5 Schurkenkarten dem Spiel beiliegen, sorgt sehr schnell dafür, dass immer wieder die gleichen Geschehnisse zu erledigen oder zu überstehen sind. Die wenigen Karten aus den jeweiligen Plots bringen nur bedingt Abwechslung. Das 3-4-fache an Varianz hätte dem Spiel insgesamt sehr gutgetan.

 

 

Aber es ist auch nicht alles schlecht. Die einzelnen Abenteuer sind sehr nah an den großen Ereignissen der X-Men-Comics angelehnt. Wenn die Heldenfiguren sich zum ersten Plot aufmachen, um die Geschichte aus dem GIANT SIZE X-MEN-Comic nachzuspielen, in dem eine neue Generation Supercharaktere die ältere Garde aus den Klauen von Krakoa zu befreien versucht, kommt durchaus nostalgische X-Men-Stimmung auf. Zu Beginn, wenn die einzelnen Karten noch neu sind und nicht bereits x-mal erfüllt bzw. abgehandelt wurden, macht auch das Erfüllen von Standards noch Spaß. Mit jedem weiteren Spiel, in dem sich die Karten wiederholen, lässt der Spaß allerdings spürbar nach und nur noch die Karten aus dem Plot sorgen für wenige spannende Momente. Und wenn der letzte Plot erledigt wurde, ist die Faszination zu einem großen Stück leider ebenfalls verflogen. Richtig fordernd wird X-MEN – AUFSTAND DER MUTANTEN in der Regel nur dann, wenn das Pech in Form von Karten zuschlägt oder beim Würfeln wirklich gar nichts passen möchte.

 

 

Abschließend zu beurteilen, wie gut mir X-MEN – AUFSTAND DER MUTANTEN gefällt, ist nicht ganz so einfach. Die einzelnen Storylines zu spielen, hat mir durchaus Spaß gemacht. Es war aber nicht so, dass ich unbedingt weiterspielen wollte oder das Spiel bei der nächsten Gelegenheit gleich wieder auf den Tisch brachte. Dafür fühlte sich vieles zu ähnlich an: ständige Wiederholungen des vorhergehenden Spiels, lediglich mit leichter Variation. Was mir am Ehesten gefallen hat, ist die Umsetzung des X-Men-Themas. Abgesehen von den teils beliebigen Fähigkeiten, passt hier einiges zusammen. Wenn ich das Thema außer Acht lasse, bleibt allerdings nur ein recht durchschnittliches Spiel. Eine Empfehlung kann ich somit nur für jene aussprechen, die wie ich ein Faible für die X-Men haben und frustresistent bei Karten- und Würfelpech sind. In absehbarer Zeit wird X-MEN – AUFSTAND DER MUTANTEN aber sicherlich das Schicksal der Comicboxen erleiden und wieder ausziehen müssen. DAS ÄLTERE ZEICHEN macht mir bei einer ähnlichen Mechanik deutlich mehr Spaß und die Spielschachtel verpackt auch nicht so viel Luft im ohnehin immer viel zu kleinen Spieleregal.

 

 

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Tags: X-Men, Marvel, Würfelmanipulation, Superhelden, Würfelplatzierung, 1-6 Spieler, Kampagne, Variable Helden-Fähigkeiten, Solospiel

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